Koordination

1 Definition & Kontext

Teufel, Dauter, Muelherr, und Bauknecht (1995, S. 12) definiert Koordination als „[…] jene Kommunikation, welche zur Abstimmung aufgabenbezogener Tätigkeiten, die im Rahmen von Gruppenarbeit ausgeführt werden, notwendig ist“. Malone und Crowston (1994, S. 90) definieren im Rahmen ihrer Coordination Theory kurz und prägnant: „Coordination is managing dependencies between activities“. Besonders im Hinblick auf die erst genannte Definition wird deutlich, dass die im Folgenden betrachtete Art an Koordination abzugrenzen ist von Koordination, die eine einzelne Person umsetzt, um sich selbst zu koordinieren.

Das Grundkonzept der hier betrachteten Koordination ist (in Anlehnung an Gross & Koch, 2007; Malone & Crowston, 1994; Teufel, et al., 1995) folglich dadurch gekennzeichnet, dass:

  • eine Abhängigkeit zwischen Aktivitäten vorliegt und dass
  • grundsätzlich unabhängige bzw. semi-autonome Akteure,
  • durch das Mittel der Kommunikation,
  • ein Ziel verfolgen und sich dafür abstimmen müssen.

Die hier behandelte Koordination ist folglich im globalen Kontext der Computer-Supported-Cooperative Work (CSCW) zu sehen (vgl. Abbildung 1). Diese Wissenschaft betrachtet Gruppenarbeit im Allgemeinen und die computer-gestützten, technologischen Unterstützungsmöglichkeiten im „computer-based systems, that support groups of people engaged in a common task (or goal) and that provide an interface to a shared environment” (Ellis, et al., 1991, S. 40). Es wird deutlich, dass trotz Überlappungen, die Begriffe nicht exakt synonym sind, sondern Groupware auf technische Aspekte und Werkzeuge fokussiert (Gross & Koch, 2007). Im Weiteren gibt es verschieden Ansätze Groupware-Anwendungen weiter zu klassifizieren. Hinsichtlich der Funktion der Interaktionsunterstützung wird von Teufel, et al. (1995) im Rahmen des 3-K-Modells unterschieden, ob Groupware-Systeme primär Kommunikation, Koordination oder Kooperation unterstützen. In anderen Worten ausgedrückt, ob primär der Informationsaustausch und die Verständigung zwischen Akteuren (Kommunikation), die Abstimmung aufgaben-bezogener Tätigkeiten (Koordination) oder die Arbeit in Richtung eines gemeinsamen Zieles und an gemeinsamen Artefakten (Kooperation) befördert wird. Kommunikation und Koordination stellen in diesem Sinne die Grundlagen für die Kooperation dar, wobei eine erfolgreiche Koordination den zuverlässigen und effizienten Ablauf von Kooperation sichert (Gross & Koch, 2007).

Groupware

Abbildung 1: Einordnung in den Kontext

2 Abhängigkeiten

Im Rahmen der Koordinationstheorie unterscheiden Malone und Crowston (1994) sowie Gross und Koch (2007) unter anderen die in Tabelle 1 genannten zielrelevanten Zusammenhänge bzw. Abhängigkeiten zwischen Aktivitäten. Aus den jeweiligen Abhängigkeiten ergeben sich Koordinationsprobleme (in Tabelle rot hervorgehoben), wie zum Beispiel die Allokation von Ressourcen. Um diese Koordinationsprobleme zu lösen, muss zusätzliche Arbeit in Form von Koordinationsmaßnahmen bzw. Mechanismen geleistet werden.

Abhängigkeiten (Auswahl), daraus resultierende Koordinationsprobleme und mögliche Koordinationsmechanismen zur Problemlösung

Tabelle 1: Abhängigkeiten (Auswahl), daraus resultierende Koordinationsprobleme und mögliche Koordinationsmechanismen zur Problemlösung (in Anlehnung an Gross & Koch, 2007; Malone & Crowston, 1994)

Zu beachten ist dabei, dass die dargestellten Abhängigkeiten keine abschließende Auflistung darstellen. Außerdem gibt es bei den Koordinationsmechanismen und noch verstärkt bei den im Folgenden dargestellten Koordinations-Werkzeugen Überschneidungen hinsichtlich der adressierten Abhängigkeiten (z. B. Gleichzeitigkeit und Zugriff auf gemeinsame Ressourcen bei Dropbox oder Erzeuger/Verbraucher Abhängigkeiten und Aufgaben/ Teilaufgaben im Projektmanagement) (Malone & Crowston, 1994).

3 Koordinationswerkzeuge

Es gibt zahlreiche Koordinationswerkzeuge, welche die Handhabung von Abhängigkeiten zwischen Aktivitäten erleichtern. Insbesondere dann, wenn eine zeitliche und räumliche Verteilung der beteiligten Akteure vorliegt, gewinnen diese Koordinationswerkzeuge an Bedeutung (Schwabe, 2001). Aber auch über eine räumliche und zeitliche Trennung hinaus, können Akteure unterschiedlichen Umständen unterliegen oder von unterschiedlichen Strategien geleitet werden, welche Koordination notwendig machen (Gross & Koch, 2007).

Im Folgenden werden drei Grundklassen von Koordinationssystemen beschrieben und Werkzeug-Beispiele zur Koordinationsunterstützung vorgestellt. Die Werkzeuge wurden dabei der Klasse zugeordnet, deren Koordinationsprozess sie explizit adressieren. Wie bereits im Abschnitt „Abhängigkeiten“ erwähnt können jedoch Überlappungen auftreten (Malone & Crowston, 1994). Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Beschreibungen und Bewertungen der Werkzeuge entweder auf persönlichen Erfahrungen mit den Werkzeugen oder den Beschreibungen und Erfahrungen der angegebenen Quellen basieren und nicht den Anforderungen an eine systematische Usability Evaluation genügen.

3.1 Klasse 1: Koordination des Zugriffs auf gemeinsame Ressourcen

Beim gemeinsamen Arbeiten muss häufig der Zugriff auf gemeinsame Ressourcen (z. B. Räume, Speicherplatz etc.) koordiniert werden. Hierbei können gemeinsame Artefakte helfen. Gemeinsame Artefakte sind Anwendungen, die für verschiedene Benutzer Anzeigen bereitstellen und auch durch verschiedene Benutzer veränderbar sind. Ein Beispiel für ein physisches gemeinsames Artefakt ist ein gemeinsam genutztes Whiteboard. Beispiele für elektronische, gemeinsame Artefakt sind die Seite eines Wikis, ein Blog oder ein gemeinsam genutzter elektronischer Kalender. Wichtig für die Koordinationsunterstützung ist hierbei besonders, dass die Artefakte die Awareness bei den Benutzern fördern in dem der Status und Änderungen abgebildet werden (Gross & Koch, 2007).

Gemeinsame Kalendersysteme am Beispiel von Google Kalender  GoogleKalender

Gemeinsame Kalendersysteme sind bereits seit Ende der 1970er Jahre verfügbar und gehören somit zu den ersten Groupware-Anwendungen. Bei einem gemeinsamen Kalendersystem führen Teammitglieder ihren Kalender online und gewähren anderen Nutzern Zugriffs- oder auch Schreibrechte. Je mehr Rechte vergeben werden und je mehr Informationen veröffentlicht werden umso höher ist die Transparenz. Da dies nicht immer gewünscht ist, können hier Einschränkungen vorgenommen werden, indem z. B. nur angezeigt wird, dass ein Termin angelegt ist, aber nicht der Termininhalt.

Unterschiedliche Kalender können zudem beispielsweise (automatisch) auf gemeinsame freie Zeiten für Meetings verglichen werden. Ressourcen wie Räume können zugeordnet werden und Termineinladungen (automatisch oder nach Bestätigung) verschickt und (automatisch oder nach Bestätigung) eingetragen werden. Gemeinsame Kalendersysteme liefern somit eine Awareness- und eine Kommunikationsunterstützung. Zudem können die Kalender zentral als auch lokal verwendet und eingebunden werden (Gross & Koch, 2007; Schwabe, 2001).

Ein populäres Beispiel-Werkzeug stellt Google Kalender dar (vgl. Abbildung 2). Google Kalender erfordert eine Registrierung und ist kostenlos. Es können ganze Kalender freigegeben werden oder Einladungen zu Terminen versendet werden. Der Termin wird dabei automatisch im Kalender des Eingeladenen vorgemerkt und bei Bestätigung eingetragen. An anstehende Termine kann man sich erinnern lassen und Termine werden auf allen registrierten Geräten automatisch synchronisiert. Als weitere Verknüpfung werden Termine, die sich in GMail-E-Mails befinden ebenfalls direkt in den Kalender eingetragen (Google Kalender, 2015).

Das Terminfindungswerkzeug Doodle Doodle_logo

Für Personen die keinen gemeinsamen Kalender nutzen, sich aber dennoch terminlich koordinieren möchten, stellen Umfragen mit Doodle eine alternative Möglichkeit, bzw. eine Ergänzung zu Google Kalender dar. (vlg. Abbildung 3).

Doodle

Abbildung 3: Beispiel einer Doodle-Umfrage

Doodle-Umfragen können auch ohne Registrierung erstellt und beantwortet werden. Viele Funktionen sind kostenfrei enthalten. Für Premiumfunktionen und weitere Gestaltungsmöglichkeiten kann kostenpflichtig „Premium Doodle“ abonniert werden (29 €/Jahr für Einzelpersonen und ab 49 €/Jahr für Unternehmen). Die Auswahl eines endgültigen Termins wird von Doodle durch Hervorhebung des Termins, der für die meisten Teilnehmer passend ist, unterstützt. Es gibt eine App-Version und auch eine Verknüpfung mit Google Kalender ist möglich (Doodle, 2015). Als Nachteil kann angesehen werden, dass Umfragen grundsätzlich einsehbar sind, sofern die URL der Umfrage bekannt ist. Ein Auffinden einer einzelnen Umfrage ist allerdings aufgrund der zufällig generierten Adressen unwahrscheinlich. Aus meiner Sicht erfordert Doodle praktisch keine Einarbeitungsleistung, sondern kann sofort genutzt werden und ist somit trotz eingeschränktem Funktionsumfang ein nützliches Tool.

Dropbox dropbox_logo

Dropbox ist ein weit verbreiteter Cloud-Speicherdienst. Nach Angaben von Dropbox (2015) nutzen weltweit 400 Millionen Menschen diesen Dienst und das Dropbox-Prinzip dürfte zum allgemeinen Erfolg von Cloud Speicherdiensten beigetragen haben. Installiert man sich die Software, so wird ein lokales, virtuelles Laufwerk angelegt, welches mit dem Online Datenspeicher und allen registrierten Geräten synchronisiert wird. Insofern erfolgt ein automatisches Online-Backup. Online oder aus dem lokalen, virtuellen Laufwerk heraus lassen sich Dateien oder gesamte Ordner über einen Link leicht verteilen und herunterladen oder zum gemeinsamen Bearbeiten freigegeben. Wurde ein Ordner freigegeben, kann dieser durch den Eingeladenen in den eigenen Dropbox-Speicher (zu Lasten der verfügbaren Speicherkapazität) nach Zustimmung integriert werden (Radke, Scherschel, & Bleich, 2014).

Dropbox stellt in der Regel zwei Gigabyte Speicherkapazität kostenfrei zur Verfügung. Für zusätzliche Speicherkapazität muss bezahlt werde. Außerdem werden erfolgreiche Weiterempfehlungen mit zusätzlichem Speicher belohnt. Bezüglich der Datensicherheit bietet Dropbox zwar eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, jedoch keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Bedienung ist nach meiner Erfahrung, als auch nach Bewertung von Radke, et al. (2014) gut. Insbesondere unter Berücksichtigung der Anzahl an angebotenen Funktionen.

Dropbox mit geöffnetem Kontextmenü

Abbildung 4: Dropbox mit geöffnetem Kontextmenü

3.2 Klasse 2: Aufgabensequentialisierung und Projektmanagement

Von besonderer Bedeutung für die Sequentialisierung von Aufgaben sind sogenannte Workflow Management Systeme.

Definition von Workflow Management Systemen

Ein Workflow bildet unter anderem ab, wie Aufgaben strukturiert sind, wer für eine Aufgabe zuständig ist und welche Aufgaben aufeinander aufbauen. Ein Workflow kann sowohl eine große Anzahl an Akteuren als auch viele Softwaresysteme einschließen. Nach Borghoff und Schlichter (2000, S. 332 zitiert nach Gross & Koch, 2007) umfasst das Workflow Management „all the functions of modelling, specifying, simulating, analysing, executing and monitoring a workflow“. Systeme, die diese Management Anforderungen unterstützten, werden folglich als Workflow Management Systeme bezeichnet. Diese Unterstützungsleistung erweist sich häufig auch im Rahmen von Projektmanagement als sehr hilfreich (Gross & Koch, 2007).

Im Folgenden werden als Werkzeug-Beispiele für Projektmanagementunterstützung Trello und Project PlacePro vorgestellt. Beide Werkzeuge zeichnen sich meiner Meinung nach durch eine intuitive Bedienung aus. Trello eignet sich aus meiner Sicht bereits für weniger komplexe Koordinationsanforderungen im Studium oder im Privaten, da die Einarbeitungszeit als gering einzuschätzen ist. Project PlacePro bietet mehr Funktionen und eignet sich für größere Vorhaben mit erhöhten Koordinationsanfordernissen. Am Ende des Kontinuums der Komplexität und Unterstützungsleistung (inkl. ausgeprägter Prüfmechanismen und ausgeprägtem Ressourcenmanagement) aber auch der Popularität, ist wohl Microsoft Project (aktuelle Version: MS Project 2013) zu verorten. Da sich Microsoft Project eher an Anwender mit Schwerpunkt im Projektmanagement richtet und Vorkenntnisse für ein umfassendes Verständnis der Funktionen hilfreich sind, wird hier auf die Vorstellung von Microsoft Project zu Gunsten von Trello und Project PlacePro verzichtet.

Trello Trello_Logo

Trello ist eine web-basierte Projektmanagement Software (Trello Inc., 2015). Der Nutzer legt für ein Projekt zunächst ein sogenanntes Trello-Board an, auf welchem er verschiedene Listen ergänzt. Die Listen werden dann mit Karten gefüllt, welche klassischerweise Aufgaben entsprechen (vgl. Abbildung 5). Diese Aufgaben können dann gemeinsam in einem Team bearbeitet werden, indem Teammitglieder zu diesem Projekt eingeladen und Aufgaben zugeordnet bzw. ausgewählt werden. Neben der Zuordnung von Akteuren zu Karten bzw. Aufgaben, können die einzelnen Karten, wie auch die Listen und das gesamte Projekt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden, indem beispielsweise Benennungen, Fälligkeiten, Dateien, Bilder, Labels und vieles mehr bestimmt werden (vlg. Abbildung 6). Die Benutzung ist dabei meiner Meinung nach intuitiv gestalten. Ein Klick auf Dinge die man anpassen möchte genügt, damit sich das entsprechende Menü öffnet. Sortierungen sind durch einfaches verschieben der Listen oder Karten möglich.

Trello Willkommens-Board

Abbildung 5: Das Trello Willkommens-Board (Bildquelle: https://trello.com/b/2HV9rGxQ/willkommens-board, 19.12.2015)

Neben der intuitiven Bedienbarkeit von Trello ist aus meiner Sicht positiv zu verzeichnen:

  • es gibt eine kostenlose Grundversion,
  • die Board-, Listen-, und Kartengestaltung ist sehr flexibel,
  • es können Boards von anderen Nutzern kopiert und genutzt werden, falls diese freigegeben wurden[1],
  • es kann zusammengearbeitet werden und die Synchronisation erfolgt in Echtzeit,
  • es gibt eine App und
  • die Kompatibilität mit anderen Anwendungen wie beispielsweise dem Google Kalender[2].

Kritisch könnte sich hingegen die Übersichtlichkeit bei großen Projekten gestalten. Auch eine detaillierter Verlaufsabbildung, wie beispielsweise bei einem Gantt-Chart realisiert, vermisse ich. Erhöhte Sicherheitsleitungen, wie Dateiverschlüsselungen bei Leerlauf, gibt es zudem auch erst gegen Gebühr (Trello Inc., 2015).

Trello Karte bearbeiten

Abbildung 6: Anpassen einer Trello-Karte durch Anklicken (Bildquelle: https://trello.com/c/YvQ1GVDO/9-zur-organisation-farblich-gekennzeichnete-labels-verwenden, 19.12.2015)

Projectplace Pro Projectplace_by_Planview_logo

Ein weiteres Beispiel für die Projektplanung stellt Projectplace Pro dar. Projectplace Pro verzeichnet aktuell (Stand 07.12.2015) 1.117.617 registrierte Anwender in 180.863 Projekten. Unter den Kunden finden sich nach Angaben der Projectplace GmbH (2015) auch Firmen wie DHL, Daimler, Vattenfalll und Sony.

Ein wesentliches Element von Projectplace Pro ist ein Kaban-Board (vgl. Abbildung 7), wie auch bei Trello. Auch hier werden Arbeitsschritte auf Karten abgebildet und Akteure können sich entweder selbst, entsprechend der ProjectPlace-Philosophie, als zuständig zuordnen (was deren Motivation fördern soll) oder werden vom Projektleiter zugeordnet (Schüler, 2015). Durch das Verschieben der Karten entsprechend des Status der Aufgabe und durch das Eintragen des Aufgabenfortschritts auf einer Punkteskala, wird für alle Teammitglieder die Awareness gefördert und der Projektfortschritt sichtbar. Dies soll zur Entlastung des Projektleiters beitragen. Auch hier sind, wie bei Trello, Kommentare und Kommunikation direkt bei den Arbeitsschritten möglich und Dateien können direkt an die entsprechenden Karten angehängt werden. Bei den Karten lassen sich zudem Größen wie der Arbeitsaufwand ergänzen (Projectplace GmbH, 2015).

Projectplace Pro Kanan-Board

Abbildung 7: Kanban-Board bei Projectplace Pro (Bildquelle: https://www.projectplace.de/funktionen/digitale-kanban-boards/, 07.12.2015)

Auf dem Kanban-Board ist somit die tägliche Arbeit abgebildet. Um den zeitlichen Überblick über das Gesamtprojekt zu optimieren und das Projekt zu strukturieren, sind die Karten zudem mit dem Gantt-Diagramm verknüpft (vgl. Abbildung 8). Diese klassische Darstellungsweise ist bereits von MSProject bekannt. Das Gantt-Diagramm enthält auch Meilensteine, Zwischenziele, eine Timeline, und Start- und Enddaten. Im Gantt-Diagramm werden Aufgaben in Form von Balken mit entsprechender Länger (entsprechend der Bearbeitungsdauer) und Abhängigkeiten zwischen Aufgaben mit entsprechenden Verknüpfungslinien abgebildet. Somit ist auch die Hierarchie ersichtlich, also welche Teilaufgaben zu welcher übergeordneten Aufgabe beitragen. Die unterste Hierarchieebene lässt sich dann auf die Kanban-Boards pinnen und der hier eingetragene Fortschritt wird wiederum im Gantt-Diagramm abgebildet und falls Verzögerungen auftreten auch automatisch angepasst (Projectplace GmbH, 2015; Schüler, 2015).

Besonders die Verknüpfung zwischen Kanban-Board und Gantt-Diagramm scheint ein innovatives Feature mit Mehrwert zu sein. Weiterhin positiv bewerte ich:

  • Verfügbarkeit einer kostenlosen Version (1 Projekt, max. 2 Kanban-Boards)
  • Übersichtlichkeit durch Reitermenü und unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten wie Kanban-Boards und Gantt-Diagramm,
  • Flexibilität und
  • modernes Design.

Nachteilig erscheint (Schüler, 2015):

  • das Bestimmen von Abhängigkeiten sei nicht intuitiv,
  • es gebe keine internen Prüfmechanismen (z. B. könne Teilaufgaben eine Fälligkeit nach der Fälligkeit der übergeordneten Aufgabe zugewiesen werden) und
  • die Planungshilfen für größere Vorhaben seien unvollständig.

Die Seminarteilnehmer merkten außerdem kritisch, dass die transparente Darstellung der Verantwortlichkeiten zu erhöhtem Druck und Kontrolle bei den Mitarbeitern führen könne.

Nach einer Testphase von zwei Wochen kann man sich neben der kostenlosen Version (Plan genannt) auch für den Plan Basic ($ 39 /Monat), den Plan Pro ($ 49 /Monat) und den Plan Enterprise (Preise nach Absprache) entscheiden.

Gantt-Diagramm in Projectplace Pro

Abbildung 8: Gantt-Diagramm in Projectplace Pro (Bildquelle: https://www.projectplace.de/funktionen/gantt-neu-definiert/, 07.12.2015)

3.3 Klasse 3: Synchronisation von Aktivitäten

Arbeiten mehrere Personen an einem Projekt bzw. einer Aktivität ist es notwendig, die vollzogenen Änderungen abzubilden, zu synchronisieren und ein letztlich ein zeitgleiches Arbeiten zu unterstützen. Als Beispiel Werkzeuge werden im Folgenden Git und GitHub vorgestellt.

Git git-logo

Git wurde 2005 von Linus Torvalds für die Arbeit am Linux-Kernel entwickelt. Ziel war es „eine Versionsverwaltung, die mit einer riesigen Menge Code und sehr vielen Mitarbeitern umgehen konnte“ zu entwickeln (Braun, 2014).

Git ist ein sogenanntes Versionskontrollsystem (Version Control System, VCS) und unterstützt sowohl die Archivierung von Inhalten als auch Teamwork. Dafür protokolliert Git das eigene Arbeiten in Form von Backups vorangegangener Versionen, die einfach wiederhergestellt werden können. Git funktioniert dabei verteilt, das heißt, dass sich Entwickler beispielsweise zunächst von einem Server eine lokale Kopie eines Repository (Datenbank inkl. Code und Versionsarchiv) speichern. An dieser „geklonten“ Version wird dann gearbeitet und vollzogene Änderungen wieder in das gehostete Archiv eingepflegt oder, sollte man dieses Recht nicht haben, an Personen mit entsprechenden Rechten eingereicht. Nach diesem System hat jeder Nutzer ein vollständiges Backup und kann an diesem unabhängig von anderen Nutzern arbeiten. Änderungen werden in Form von Commits protokolliert. Ein Commit ist dabei eine neue Version des Projektes im Repository. Diese „Einpflegungen“ ins Repository werden bestenfalls stufenweise (sogenanntes stagen) vorgenommen, damit auch zu einem späteren Zeitpunkt ersichtlich ist, welche Änderung (z. B. Korrektur von Rechtschreibfehlern, Ergänzung von Code etc.) vorgenommen wurde. Möchte man an einer alten und einer neuen Version parallel arbeiten bietet es sich an einen sogenannten branch, also eine Abzweigung bzw. einen Nebenpfad, anzulegen, der vom normalen Pfad, dem master abzweigt. Branches können dann wieder mit dem master gemergt also zusammengeführt werden. Im Detail bietet Git noch weitere Funktionen für eine erfolgreiche Versionierung.

Arbeiten mit Git

Abbildung 9: Arbeiten mit Git (Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/malcolmtredinnick/1516857444, 23.12.2015)

Git muss unter Windows und Mac OS X zunächst heruntergeladen und installiert werden. Unter Linux erfolgt die Installation über den Paketmanager. Git kann dann einfach auf einem Rechner genutzt werden und benötigt grundsätzlich keinen Server. Bei mehreren Beteiligten, laufen Projekte, wie oben beschrieben, jedoch über einen ständig erreichbaren Server. Die Nutzung von Git erfordert etwas Einarbeitung, die sich nach Meinung von Braun (2014) jedoch für alle lohnt „deren Schöpfungen sich als Dateien manifestieren“. Als Unterstützung kann auch ein Client mit grafischer Oberfläche genutzt werden.

Übersicht zu Git Operationen

Abbildung 10: Übersicht zu Git Operationen (Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Git_operations.svg, 23.12.2015)

GitHub GitHub-Logo

Laut Braun (2014) ist GitHub die führende Open-Source-Plattform und wird mit Git genutzt. GitHub bietet dabei öffentlichen Zugriff auf den Code vieler verschiedener Projekte (z. B. Linux-Kernel). Möchte man an einem Projekt mitarbeiten, meldet man sich bei GitHub an und forked sich das gewünschte Projekt, was bedeutet, dass man sich eine private Version des Projekts klont. Der Code kann nun über Git auf den eigenen Computer kopiert und bearbeitet werden. Die vollzogenen Änderungen können anschließend zur Übernahme auf GitHub vorgeschlagen werden. Neben der Entwicklung wird durch GitHub auch die Kommunikation gefördert. So können zum Beispiel Fehler gemeldet werden oder Diskussionen stattfinden. Es bietet außerdem den Vorteil, dass sich jeder Interessierte an einem Projekt beteiligen kann. Über eine einfache Möglichkeit zur Meldung von Fehlern oder Verbesserungsvorschläge sind hierzu auch keine Programmier- und Git-Kenntnisse notwendig. Für Entwickler bietet es außerdem den Vorteil, dass kein eigener Git-Server betrieben werden muss.

GitHub wird zunehmend auch von Wissenschaftlern eingesetzt, die dort ein Forschungsprojekt öffentlich dokumentieren oder mit anderen Forschern gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Die Versionskontrolle von Git bietet dabei eine einfach Möglichkeit, Veränderungen zu dokumentieren und notfalls Rückgängig machen zu können. Durch die öffentliche Verfügbarkeit von Daten und Analysen wird eine einfache Replizierbarkeit gewährleistet. Beispiele für eine wissenschaftliche Nutzung von GitHib findet sich zum Beispiel bei Boettiger (2015), einem Politikwissenschaftler der UC Berkeley. McDonnell (2012)gibt eine ausführliche Übersicht über die Nutzung von GitHub in der Wissenschaft.

4 Zusammenfassung

Es wurde gezeigt, dass Koordination dann nötig wird, wenn eine Abhängigkeit zwischen Aktivitäten vorliegt. Hierbei lassen sich verschiedene Abhängigkeiten unterscheiden. Es gibt unzählige Werk-zeuge zur Unterstützung von Koordination, die unterschiedliche Abhängigkeiten und Komplexitäten adressieren. Einige Beispiel-Werkzeuge wurden kurz vorgestellt und ihre Hauptfunktionen beschrieben. Grundsätzlich zeichnen sich die Werkzeuge durch eine hohe Flexibilität in ihrer Benutzung aus und die Unterstützung von Kooperation scheint als Selbstverständlichkeit Berücksichtigung zu finden. In diesem Sinne sei nochmals darauf verwiesen, dass bei der Auswahl eines Werkzeuges, neben der Funktionalität und Gebrauchstauglichkeit auch auf die Einbettung und die Akzeptanz in das soziale System zu achten ist. Hierzu ist es sinnvoll sich über klare Regeln der Nutzung zu einigen und auf deren Einhaltung zu achten (Gross & Koch, 2007).

Literaturverzeichnis

Boettiger, C. (2015). GitHub. Retrieved 22.12.2015, von https://github.com/cboettig

Braun, H. (2014). Unvergessen – Erste Schritte mit dem Versionskontrollsystem Git und mit GitHub. c’t, 5, 176-181.

Doodle. (2015). Doodle vereinfacht die Terminfindung. Retrieved 20.12.2015, von http://doodle.com/de/

Dropbox. (2015). Dropbox. Retrieved 06.12.2015, von https://www.dropbox.com

Ellis, C. A., Gibbs, S. J., & Rein, G. (1991). Groupware: some issues and experiences. Commun. ACM, 34(1), 39-58. doi: 10.1145/99977.99987

Google Kalender. (2015). Willkommen bei Google Kalender. Retrieved 20.12.2015, von https://support.google.com/calendar/answer/2465776?hl=de

Gross, T., & Koch, M. (2007). Computer-supported cooperative work: Oldenbourg.

Malone, T. W., & Crowston, K. (1994). The interdisciplinary study of coordination. ACM Computing Surveys (CSUR), 26(1), 87-119.

McDonnell, J. (2012). Git for Scientists: A Tutorial. Retrieved 22.12.2015, von http://nyuccl.org/pages/gittutorial/

Projectplace GmbH. (2015). projectplace by planview. Retrieved 07.12.2015, von https://www.projectplace.de/

Radke, J., Scherschel, F. A., & Bleich, H. (2014). Hoch verfügbar – Zehn Cloud-Datenspeicher im Test. c’t, 16, 72-77.

Schüler, P. (2015). Zusammen, was zusammen gehört – ProjectPlace Pro vereint agiles und klassisches Projektmanagement. c’t, 26, 75.

Schwabe, G. (2001). Koordinationswerkzeuge. In G. Schwabe, N. Streitz & R. Unland (Hrsg.), CSCW-Kompendium (S. 174-179). Berlin Heidelberg: Springer.

Teufel, S., Dauter, C., Muelherr, T., & Bauknecht, K. (1995). Computerunterstützung für die Gruppenarbeit. Bonn: Addison-Wesley.

Trello Inc. (2015). Trello. Retrieved 07.12.2015, von https://trello.com


 

[1] Zum Beispiel das Board „Research Iteration“ https://trello.com/b/8t9qgmNz/research-iteration, 19.12.2015.

[2] Für die Einbindung in z. B. Endnote, Dropbox, Github etc., ist ein Business Class Account für $ 8.33 pro Benutzer und Monat erforderlich (https://trello.com/pricing).

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