Sammeln von Wissen: Höhlenmalerei, Zettelkasten und digitale Tools

Was beinhaltet das Sammeln von Wissen?

Die Geschichte des Sammelns von Wissen, lässt sich bis in das Zeitalter des Jungpaläolithikums zurückverfolgen. Während Informationen damals in Form von Höhlenmalereien dokumentiert wurden, sind es heute digitale Datenbanken, Suchmaschinen und andere Tools, die dem User Informationen zum Sammeln bereitstellen. Sammeln von Wissen ist also ein elementares Bedürfnis der menschlichen Zivilisation.

Wenn wir davon reden, Informationen bzw. Wissen zu sammeln, dann stellt sich die Frage was genau meint der Begriff „Sammeln“. Wenn wir Informationen sammeln, dann müssen wir sie zuerst einmal suchen um sie dann zusammenzutragen um sie anschließend zu strukturieren. Diese Vorgänge passieren in der Regel  zielgerichtet.

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Wir sammeln Informationen mit dem Ziel diese später abzurufen, zu verwerten und zu dokumentieren bzw. zu archivieren. Wobei der Abruf bzw. das Finden der Informationen durch die Strukturierung des gesammelten Wissens wesentlich erleichtert wird. Dabei können die Daten entsprechend ihrer späteren Verwendung zum Beispiel chronologisch oder nach Themen strukturiert werden. Wenn es sich um digitale Tools handelt, hilft die Suchfunktion maßgeblich dabei Informationen schnell abrufen zu können. Die Verwertung unserer Informationen beinhaltet das Generieren neuen Wissens aber auch dieses mit anderen Personen zu teilen. Dabei ist es egal, ob dies in Form der Publikation von Wissen erfolgt oder ob es um einen interaktiven Informationsaustausch zwischen Personen geht, beispielsweise in Form von Lerngruppen im Studium. Die Hauptkomponente des Archivierens von Wissen ist im Schutz vor Wissensverlust zu sehen.

Durch die schier unglaubliche Fülle an Informationen, die uns die digitalisierte Welt bietet, kommt dem Sammeln von Wissen eine immer größere Bedeutung zu, um den Überblick über relevante Informationen zu behalten.

Welche Anforderungen an entsprechende Werkzeuge lassen sich nun aus den Zielen ableiten?

Das Abrufen, Verwerten und Strukturieren unseres gesammelten Wissens determiniert natürlich die Anforderungen, die wir an Werkzeuge stellen mit denen wir Informationen sammeln und zusammentragen. Diese Anforderungen sind immer abhängig von den Bedürfnissen jedes einzelnen. Davon unabhängig sollten aber folgende Punkte Beachtung finden bei der Wahl eines gebrauchstauglichen Werkzeugs:

  • Zeit: Informationen sollten mit möglichst wenig Zeitaufwand gefunden, zusammentragen und strukturiert werden können.
  • Struktur: Das Werkzeug sollte mir die Möglichkeit bieten meine gesammelten Informationen möglichst gut und entsprechend meiner Bedürfnisse strukturieren zu können. Wenn es sich um ein digitales Tool handelt, sollte eine Suchfunktion vorhanden sein.
  • Verfügbarkeit: Möchte ich meine Informationen an einem festen Ort sammeln oder möchte ich diese von verschiedenen Orten abrufen und synchronisieren können indem ich sie sowohl vom PC, Notebook, Tablet und Smartphone abrufen kann?
  • Interaktivität: Wenn es mir wichtig ist mein Wissen mit anderen zu teilen und in Dialog zu treten, dann sollte mir mein Werkzeug die entsprechenden Features bieten.
  • Medium: Welche Art von Medium sammle oder archiviere ich? Sind es Bilddateien, Textdokumente, Fotos, A4 Blätter, Audiodateien? Sollen die Fotos als Original oder in eingescannter Form gesammelt werden?
  • Quantität der Daten: Mit Blick auf die Art des verwendeten Mediums muss man sich die Frage nach dem Ort der Aufbewahrung und dem damit zusammenhängenden Platzbedarf stellen. Eine Sammlung von A4 Ordnern stellt ganz andere Anforderung an Raumbedarf als eine digitale Datenmenge.

Von der Höhlenmalerei zum Zettelkasten – Sammeln von Wissen und dessen Ursprünge

Bild1Die ersten Aufzeichnungen menschlichen Wissens, die Höhlenmalereien können wir bis in die Zeit des Jungpaläolithikums, also 40.000 Jahre zurückverfolgen. Welchem Zweck diese Malereien dienten, ist bis heute umstritten. So könnte es sich um religiöse oder alltägliche Situationen handeln.  Ein weiterer Meilenstein in der Sammlung menschlichen Wissens stellten die Tontafeln mit Keilschrift dar, deren Ursprung sich bis ca. 4.000 v. Chr. zurückdatieren lässt. Tontafeln hatten im Gegensatz zur Höhlenmalerei einen entscheidenden Vorteil, sie waren mobil. Zum Einsatz kamen sie beispielsweise in der Landwirtschaft, indem man Listen und Tabellen für Buchhaltungszwecke auf ihnen festhielt.

Im Alten Ägypten dienten dann Papyrus, Leinen und Leder als Schriftmedien. Papyrusrollen wurden in ersten Bibliotheken gesammelt.

200 n. Chr. wurde in China erstmal die Herstellung des Papiers erwähnt, das bis heute eines der wichtigsten Medien zum Festhalten von Informationen geblieben ist. Die Erfindung des Papiers war nicht nur Grundlage dafür sondern auch für den modernen Buchdruck durch Johann Gutenberg im 15. Jahrhundert.  Dieser führte letztlich dazu, dass es zu einer regelrechten Wissensflut kam, das Angebot des verfügbaren Wissens überstieg die verfügbare Zeit die man zur Aneignung von Wissen benötigte.

Es entstand der Bedarf und die Notwendigkeit ein technisches Mittel zu entwickeln, dass es ermöglichte das gesamte Wissen zu verwalten. Und genau an diesem Punkt ist die Wiege des Zettelkastens zu sehen, der eine der größten Verwaltungstechnologien des 19. und 20. Jahrhunderts darstellte. Er revolutionierte das Büro- und Bibliothekswesen. Wenn auch in analoger Form ausgestorben, so ist das Prinzip des Zettelkastens bis heute in digitalen Tools lebendig.

Was ist ein Zettelkasten überhaupt und was machte ihn so bedeutsam?

Zettelkasten_(514941699)Ein Zettelkasten ist ein Hilfsmittel zur Erstellung wissenschaftlicher oder literarischer Arbeiten, wobei Informationen z. B. In Form von Textauszügen auf Zetteln notiert werden und in einem Kasten nach einer bestimmten Ordnung gesammelt werden. Dabei werden die Zettel mit Quellenangaben versehen. Die Besonderheit dabei ist die Vernetzung der Informationen durch Verschlagwortung und Querverweise. Der Zettelkasten kann daher als erste relationale Suchmaschine bezeichnet werden, die damals in analoger Form möglich machte was heute durch das Verlinken im Internet in digitaler Form geschieht.

Der Zettelkasten in der Geschichte

Johann Jacob Gesner (1516-1516) gelang es als einer der ersten eine systematische Methodik des Exzerpierens zu entwickeln. Der Schweizer Humanist teilte die Wissensproduktion in einen  Festspeicher (ROM), in Form der Bibliothek und einen flüchtigen Speicher (RAM), in Form von Karteibüchern auf. Wobei die Gelehrten auf die Karteibücher (Exzerpt Sammlungen) zurückgreifen konnten und nicht in allen Büchern nachlesen mussten. Das von ihm eingeführte Ordnungssystem ließ es zu Wissen zu derangieren und neu zu arrangieren.

Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646-1718), Mathematiker und Bibliothekar entwickelte das binäre Zahlensystem, damit trafen Zettelkasten und Computercode quasi zum ersten Mal aufeinander.

Johann Jacob Moser (1701-1785), ein schwäbischer Jurist und Schriftsteller erstellte 500 seiner Werke auf Grundlage von Exzerpt Sammlungen. Er verfasst damals eine Art Handbuch in dem er die Algorithmen niederschrieb mit denen er die Exzerpte ordnete.

1773 wurde durch Gottfried Freiherr van Swieten zu einem bedeutsamen Jahr in der Geschichte des Zettelkastens. Es entstand die erste relationale Suchmaschine mit Erweiterungsfunktion, der sogenannte Josephinische Katalog der Wiener Hofbibliothek mit über 300.000 Zetteln. Van Swieten musste eine enorme Zahl von Büchern aus den aufgelösten jesuitischen Klosterbibliotheken in die Wiener Hofbibliothek integrieren. Um dies möglich zu machen,  war eine genaue Anweisung zum Bibliografieren notwendig.  Da die Kapazität nicht vorhanden war, all diese Zettel wie geplant in Karteibücher zu übertragen, entstand der Zettelkatalog.

Melville Dewey (1851-1931), Chefbibliothekar der Columbia University und New York State Library perfektionierte das Katalogisieren schließlich durch die Einführung eines nach ihm benannten Dezimalsystems (Dewey Decimal Classification), welches bis heute in Bibliotheken genutzt wird. Er standardisierte und normierte nicht nur Karteikästen sondern führte auch die Buchführung in Zettelkästen ein. Damit eroberte der Zettelkasten letztlich auch Bereiche außerhalb Bibliotheken und Studierstuben.

Der vielleicht berühmteste Zettelkasten – auf den Spuren Niklas Luhmanns

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Niklas Luhmann (1927-1998) war ein deutscher Soziologe, Verwaltungswissenschaftler und Pädagoge und Vertreter der Systemtheorie. In Luhmanns Büro an der Universität Bielefeld entstand in fast fünf Jahrzehnten ein Zettelkasten mit über 90.000 Notizen auf denen er seine Gedanken sammelte und miteinander vernetzte. Die Zettel versah Luhmann mit einem Code aus einer Kombination von Zahlen und Buchstaben. 25640116_fullLuhmann selbst behauptete, dass seine Werke nur auf Basis seines Zettelkastens verfasst werden konnten, somit wird auch von Luhmanns zweitem Gehirn gesprochen. Er selbst fand oft nicht unbedingt das Gesuchte, sondern vielmehr Neues was sich aus den Vernetzungen der Inhalte ergab.

Um den Inhalt Luhmanns Zettelkastens zu erforschen, läuft an der Universität Bielefeld ein Forschungsprojekt zur Digitalisierung des Zettelkastens. Allein das Einscannen der Zettel durch wissenschaftliche Mitarbeiter hat gut ein Jahr Zeit beansprucht und es werden noch einige folgen bis das Projekt abgeschlossen sein wird.

Wie sammeln wir heute unsere Informationen?

Wenn wir heute Informationen sammeln, können wir sowohl auf geschichtliche Konzepte als auch auf moderne, digitale Möglichkeiten zurückgreifen.

Während der Zettelkasten in analoger Form ein so gut wie ausgestorbenes Medium darstellt, existiert das einfache Konzept von Papier und Stift bis in die heutige digitalisierte Welt und erfreut sich trotz PC, Tablet und Co.noch großer Beliebtheit.

Welche Werkzeuge wir benutzen hängt, wie bereits erwähnt, von unseren individuellen Bedürfnissen ab. Ich kann mir überlegen, ob ich meine Informationen in Form eines A4 Blattes in einem A4 Ordner sammle oder ob ich eine Ordnerstruktur z. B. Explorer in Windows im PC dazu nutze, meine Informationen in Form von Dateien abzulegen.

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Immer neue Möglichkeiten entstehen in einer Welt die immer digitaler wird, es ist schon allein eine Herausforderung, das richtige Tool zu finden mit dem ich meine Informationen sammeln kann. Hier sollen nur einige Programme erwähnt werden, die es ermöglichen Informationen und Notizen zu sammeln, zu strukturieren und auch zu teilen. Eine solche Möglichkeit bieten die Programme Memonic und Evernote.

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Sie ermöglichen das Speichern von Websites, Grafiken, Bildern, Audiodateien und Notizen und den Informationsaustausch mit anderen Personen. Von einer kostenlosen Basisversion bis hin zu einer kostenpflichtigen Premiumversion bieten diese Programme den Usern je nach Ansprüchen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten.

 

 

 

Quellen:

Haarkötter, H. (21.04.2013). Alles Wesentliche findet sich im Zettelkasten. Telepolis (Heise Online). Abgerrufen von: http://www.heise.de/tp/artikel/38/38906/1.html

Dudenverlag. (2015). Duden – Die deutsche Rechtschreibung.  Abgerufen von: http://www.duden.de/rechtschreibung/sammeln

Oppe, M. (10.07.2015). Kärtchen mit System. Zettelkasten des Soziologen Niklas Luhmann wird digitalisiert. Deutschlandradiokultur. Abgerufen von: http://www.deutschlandradiokultur.de/kaertchen-mit-system-zettelkasten-des-soziologen-niklas.2156.de.html?dram:article_id=325087

Wikipedia. (2015). Höhlenmalerei.  Abgerufen von: https://de.wikipedia.org/wiki/Hoehlenmalerei

Wikipedia. (2015). Zettelkasten.  Abgerufen von: https://de.wikipedia.org/wiki/Zettelkasten

Evernote (2015). Abgerufen von: http://evernote.com/intl/de/

Memonic (2015). Abgerufen von: http://www.memonic.com/

 

 

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