Der mobile Kontext – Sammeln und Strukturieren von Informationen

Sammeln und Strukturieren

Nachdem bisher auf die allgemeinen Modelle zum Sammeln und Strukturieren von Wissen und Informationen eingegangen wurde, möchte ich diese Modelle nun auf den mobilen Kontext übertragen. Wie können wir unser Wissen mithilfe sog. Mobiler Gadgets finden, sammeln, strukturieren und bearbeiten? Welche Programme helfen uns hierbei? Wie nehmen wir Informationen auf mobilen Endgeräten generell wahr und welche aktuellen Trends lassen sich momentan abzeichnen?

Das mobile Gadget

Mobile Gadgets sind aus unserem Alltag, unserer Arbeit, unserer Gesellschaft und unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Ein jeder von uns nutzt diese kleinen mobilen Helfer.  Ein jeder auf seine Art aber letztlich doch mit dem gleichen Zweck. Wir möchten zeitlich und örtlich unabhängig sein und das am Besten zu jedem Zeitpunkt. Eine Mail möchte noch schnell auf dem Weg von der Arbeit nach Hause in der Bahn gelesen werden, der Verlauf des Abends noch schnell mit einem Freund per mobilen Messenger abgeklärt werden und der schnellste Weg von der Bahnstation zum nächsten Café der Wahl soll bitte auch direkt angezeigt werden. All dies wäre ohne mobile Geräte nicht vorstellbar oder doch zumindest recht anstrengend und vor allem zeitverschlingend.

Es gibt zahlreiche Formen dieser mobilen Gadgets. Die Liste ließe sich sicherlich beliebig erweitern und wird schätzungsweise in den nächsten Jahren/Jahrzehnten um sicherlich bahnbrechende neue Gadgets erweitert werden.

Hier ein kleiner Überblick, in welchen Formen uns mobile Endgeräte am häufigsten begegnen:

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  • Smartphones
  • Notebooks
  • Tablets
  • Smartwatches
  • Smarttracker

Das mobile Gadget schlechthin in unserer Gesellschaft ist vermutlich das Smartphone. Laut einer Untersuchung von Welsh, France, Park, und Whaley (2013), nutzten im Jahr 2009 noch knapp 90% der untersuchten Studenten ein klassisches Handy, im Jahr 2013 lag die Zahl der genutzten Smartphones hingegen schon bei 70%.

Die Zeiten des einfachen Telefonierens und SMS-Verschickens sind vorüber. Das einstige „Mobile Telefon“ ist mittlerweile ein hochleistungsstarker Computer, der sich nicht nur in seiner inneren Konfiguration, sondern auch äußerlich stark vom einstigen „Handy“ unterscheidet.

Aktuelle Trends lassen erahnen, in welche Richtung sich das Feld der mobilen Gadgets in Zukunft bewegen wird: Die mobile Technik soll sich leichter, schneller und effizienter in unseren Alltag integrieren. „Wearable Gadgets“ fügen sich mühelos in unser Erscheinungsbild und ermöglichen uns alle Informationen jederzeit abrufbereit am Körper zu tragen, ohne, dass wir weitere Anstrengungen auf uns nehmen müssen.

Mobile Gadgets sollen uns also das höchste Maß an zeitlicher und örtlicher Flexibilität gewährleisten.

Mobile Software

Doch auch das beste mobile Gadget erfüllt seinen Zweck nicht, wenn nicht auch die Software der Forderung nach örtlicher und zeitlicher Flexibilität entspricht. Da im mobilen Kontext häufig andere Anforderungen an den Nutzer gestellt werden, müssen sich auch Programme diesen Anforderungen anpassen, um optimal genutzt werden zu können (Gong & Tarasewich, 2004). Beispielsweise ist der Bildschirm von mobilen Gadgets i.d.R. kleiner oder das Gadget wird anders bedient (Touchscreen vs. Maus und Tastatur).

Hierfür wurden sog. „Mobile Interfaces“ entwickelt. Ziel dieser Interfaces ist es die Bedienweise der mobilen Hardware in das Program zu übersetzen und dem Nutzer auf kleinstem technischen Raum alle Funktionen des stationären Interfaces auch mobil zur Verfügung zu stellen.

 

Wahrnehmung mobiler Gadgets

Das mobile Gadgets immer häufiger genutzt werden steht außer Frage. Wie sieht es jedoch mit der Wahrnehmung der Benutzer aus? Welche Einstellungen haben die Nutzer bezüglich mobiler Gadgets? Nehmen sie Medien auf mobilen Gadgets anders wahr als auch stationären und gibt es hierbei kulturelle Unterschiede?

Sung & Meyer (2012) haben sich mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt. Hierbei wurden amerikanische und südkoreanische Studenten bezüglich ihrer Einstellung gegenüber, mobilen vs. stationären mithilfe von Fragebögen untersucht.

Die Ergebnisse von Sung & Meyer (2012) lassen darauf schließen, dass Nutzer Inhalte auf mobilen Gadgets anscheinend anders wahrnehmen als auf stationäre Gadgets. Diese stationären Gadgets werden als vertrauensvoller, stabiler und essenzieller beschrieben. Allerdings galt dies nur für die Gruppe der amerikanischen Studenten. Südkoreanische Studenten nehmen hingegen keinen Unterschied wahr und bewerten mobile Gadgets eher positiv.

Diesen Unterschied zwischen den Kulturen erklären die Autoren über das Selbstverständnis mobile Gadgets zu nutzen. Südkorea ist eines der führendsten Länder in der Entwicklung von mobiler Technik. Sie ist weiter verbreitet und wird schon früher aktiv genutzt.

In wieweit diese Ergebnisse, die immerhin schon drei Jahre alt sind, noch heute in dieser Form replizierbar sind ist fraglich. Da die Selbstverständlichkeit mobile Gadgets aktiv zu nutzen sich mittlerweile auch in unserem Kulturkreis etabliert hat, ist davon auszugehen, dass die Unterschiede in der Wahrnehmung mittlerweile nicht mehr so große Relevanz haben.

 

Mobile Denkwerkzeuge

Mobile Denkwerkzeuge dienen dem Sammeln, Strukturieren und Bearbeiten von Wissen und Informationen. Darüber hinaus sollten sie es dem Nutzer aber auch ermöglichen, dies örtlich und zeitlich unabhängig zu können.

Bild vom Schreibtisch

Privates Foto

Die älteste Form des mobilen Denkwerkzeugs ist sicherlich das klassische Notizbuch und der Stift. Diese klassischen Werkzeuge ermöglichen es dem Nutzer, egal wo er sich befindet, ohne viel Aufwand Informationen zu speichern (niederschreiben) und sie zu strukturieren.

Durch die Nutzung im mobilen Kontext erschließen sich völlig neue Informationsarten, die gesammelt und genutzt werden können. Standortinformationen können beispielsweise gesammelt und anderen Informationen zugeordnet werden. Gesundheitsparameter können im normalen Alltag aufgezeichnet werden und erlauben dem Nutzer ein halbwegs reliables Bild seines gesundheitlichen Zustands zu gewinnen. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Aufgabe und Anforderung der mobilen Denkwerkzeuge ist aber vor allem die einfache Integration all dieser Information zu einem strukturierten und intuitiven Gesamtbild.

 

Beispiele

Hier eine kleine Auflistung der gängigsten mobilen Denkwerkzeuge

  1. EvernoteEine der meistgenutzten Softwares zum Erstellen, Bearbeiten und Teilen  von Notizen. (s.U.)
  2. OneNoteNotizprogramm von Microsoft Office.
  3. TextgrabberUmwandlung von analoger Schrift (z.B. Schrift auf ausgedrucktem Dokument) in digitale Satzzeichen.
  4. NotizenÄquivalent zu Evernote und OneNote von MacOS und iOS, mit geringerem Funktionsumfang
  5. DEVONthink: Software zum Verwalten, Ordnen und Bearbeiten von digitalen Unterlagen.
  6. Scannable: App zum Digitalisieren (Einscannen) analoger Dokumente.

Evernote

Um einen kleinen Einblick in den Funktionsumfang und die Nutzung von Evernote zu erhalten, hier ein kleiner Einblick in meine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit dem Programm.

Evernote

Evernote

Evernote wurde 2007/2008 von dem Entwickler Stephan Patschikow gegründet und hatte bereits nach drei Jahren ca. 11 Millionen User. Es ist eines der meistverbreiteten Notizsoftwares und gewinnt stätig an neuen Funktionen. Es ist auf fast allen gängigen Betriebssystemen nutzbar (MacOS, Windows, iOS, Android, etc.) und kommt in drei unterschiedlichen Versionen. Einer kostenlosen Basisversion mit grundlegenden Funktionen, einer Plus Version (19,99€/ Jahr) und einer Premiumversion (39,99€/ Jahr), die dem Nutzer vollen Funktionsumfang bietet.

Funktionen

Mit Evernote lassen sich zahlreiche Informationen in Form von Notizen, Erinnerungen oder To-do-Listen abspeichern. Das System fügt sich nahtlos in das Betriebssystem ein und ermöglicht so das Abspeichern von Informationen aus anderen Programmen. Auf diese Weise lassen sich Fotos, Videos, Links, Standortinformationen, Wetterinformationen, Dokumente und Karten in einer Notiz speichern und in Notizbüchern ordnen.

 

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Erstellen von Notizen: Zum Erstellen von Notizen reicht ein Klick auf das zentrale Pluszeichen. Es kann dann ausgewählt werden, welche Form von Notiz angefertigt werden soll. Eine Textnotiz lässt sich sowohl per Tastatur, als auch per Zeichnung auf dem Touchscreen eingeben. (Screenshot vom privaten Smartphone)

 

Evernote ist außerdem Cloud-basiert und ermöglicht so das Bearbeiten und Teilen von Notizen auf allen Geräten, die mit Evernote verknüpft sind. Einzelne Notizen werden so auf allen Geräten synchron gehalten und lassen sich auch gemeinsam mit anderen Personen bearbeiten. Der Abruf oder das Bearbeiten von Notizen setzt hierbei allerdings eine funktionierende Internetverbindung voraus. Lediglich die Premiumversion bietet einen Offline-Zugriff auf die Notizen an.

Zusätzlich verfügt die Premiumversion von Evernote über eine Texterkennungsfunktion. Handschriftlich geschriebene Texte oder ausgedruckte Dokumente lassen sich abfotografieren und in Evernote einlesen.

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Einfügen einer analogen Notiz: Durch Druck auf das Fotosymbol öffnet sich die Kamera. Das Programm erkennt automatisch das analoge Dokument, passt die Kontraste an und liest dieses in Evernote ein. (Screenshot vom privaten Smartphone)

 

Auf diese Weise können selbst analog geschriebene Notizen digitalisiert werden. Sie sind dann von überall abrufbar, lassen sich durchsuchen und bearbeiten. Doch nicht nur das, Evernote erkennt die handgeschriebenen Informationen, verarbeitet diese und erlaubt es dem Nutzer, später danach zu suchen.

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Durchsuchen einer handschriftlichen Notiz: Nach Einfügen der Notiz in Evernote lassen sich durch Druck auf das obere „Lupen-Icon“ die handschriftlichen Notizen durchsuchen. (Screenshot vom privaten Smartphone)

 

 Persönliche Fazit zu Evernote

Wie gut lassen sich mit Evernote die gewünschten Ziele erreichen? Und bietet Evernote ein befriedigendes Kosten-Nutzen-Verhältnis? Evernote gibt einem die Möglichkeit schnell Informationen in Form von Notizen zusammenzufassen. Bei der Nutzung des Programms habe ich probiert möglichst viele verschiedenartige Informationen zu sammeln und sie so übersichtlich wie möglich in Form von Notizen und Notizbüchern zusammenzufassen.

All dies ließ sich problemlos durchführen. Informationen von Websites ließen sich problemlos in Evernote über den Internetbrowser einlesen. Das Bearbeiten von Notizen und beispielsweise das Hinzufügen von Bildern und Dokumenten gelang nach kurzer Einarbeitung schnell und ohne Probleme. Lediglich die Texterkennung und das Durchsuchen der handschriftlichen Notizen benötigte eine nicht unerhebliche Menge an Zeit und funktionierte nicht immer präzise.

Lohnt es sich also aus Nutzersicht in Evernote zu investieren? Das Programm verfügt zwar über eine kostenlose Basisversion, allerdings bietet diese nur einen recht geringen Funktionsumfang. Ist der Nutzer jedoch dazu bereit die doch recht hohen jährlichen Kosten von 39,99€ zu zahlen, erhält er Zugang zu einem doch recht „mächtigen“ Programm. Mit geringem Zeitaufwand lassen sich, egal von welchem Ort und egal von welchem Medium schnell und effektiv Notizen aller Art anlegen und sortieren.

Meiner Meinung nach kann diese „Macht“ den Nutzer jedoch auch überfordern. Allein aus der Möglichkeit heraus alle Informationsarten zu jeder Zeit und mit geringem Zeitaufwand zu sammeln, fällt es sicherlich vielen Anwendern schwer die Informationen zu selektieren. Welche Notizen sind wirklich relevant? Welche werden zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich genutzt? Und welche Informationen werden auch langfristig abgespeichert und nicht einfach nur in die „Cloud“ ausgelagert.

Möglicherweise ist zu Beantwortung dieser Fragen jedoch eine längere Nutzung von Evernote erforderlich. Ich denke, dass jeder Nutzer eine eigene Art des Umgangs mit Evernote finden muss. Hat er dies jedoch getan, hat er mit Evernote aus meiner Sicht ein sehr leistungsstarkes und gebrauchstaugliches mobiles Denkwerkzeug an seiner Seite.

Außerdem sei noch kurz der Punkt des Datenschutzes angemerkt. Evernote ist komplett internetbasiert. Alle angelegten Notizen sind damit potenziell dem Angriff von Hackern ausgesetzt, die dann Zugriff auf möglicherweise sensible Daten hätten. Thomas & Rice (2015) fanden beispielsweise heraus, dass im Schnitt ca. 87% der Android-Devices mindestens einer solcher potenziellen Gefahrenquelle ausgesetzt sind. Einem solchen Risiko sollte man sich bei der Nutzung von Evernote oder generell jedem internetbasierten Dienst natürlich immer bewusst sein.

 

Neueste Trendentwicklungen

Trotz eines so mächtigen Notizprogramms wie Evernote oder OneNote gibt es trotzdem eine große Menge an Personen, die trotzdem noch immer lieber klassisch zu Stift und Papier greifen. Zu dieser Gruppe würde ich mich durchaus auch zählen.

Die neuesten Trendentwicklungen in diesem Bereich probieren genau diese Leute abzuholen. Es wird hierbei probiert eine Verbindung von analogem und digitalem Wissensmanagement zu schaffen. Furchgott (2013) spricht hierbei von „Paperproducts for the Paperless-Revolution“.  Evernote bietet beispielsweise ein analoges Notizheft in Kooperation mit Moleskin an, das über eine bestimmte Rasterstruktur verfügt.

 

Hierdurch sollen handgeschriebene Texte oder Illustration noch leichter von Evernote per Kamera einzulesen sein. Mitgelieferte Sticker ermöglichen außerdem eine direkte Sortierung der Notizen anhand der aufgedruckten Symbole.

Das Tool Equil Smart Pen 2 geht sogar noch einen Schritt weiter. Ein Kugelschreiber, ausgestattet mit Drucksensoren ermöglicht das analoge Schreiben auf einem handelsüblichen Blatt Papier und gleichzeitig die digitale Erfassung des Geschriebenen in Echtzeit. Der Prozess des Handschreibens geht somit nicht verloren und der Nutzer erhält gleichzeitig die Möglichkeit, seine Notizen zu digitalisieren und sie auf seinen Geräten abzuspeichern. (siehe Video)

 

In wieweit sich diese Verbindung von analogem und digitalem Wissensmanagement in Zukunft etablieren wird, bleibt abzuwarten. Sie zeigt jedoch, dass das klassische „Paper-Pencil-Konzept“ noch immer seine Daseinsberechtigung hat und sich so leicht auch nicht von digitalen, weitaus mächtigeren Tools verdrängen lässt.

 

Quellen:

Literatur

Furchgott, R. (03.01.2013). Paper Products for the Paperless Revolution. The New York Times, 03.01.2015, S.7.

Gong, J., & Tarasewich, P. (2004). Guidelines for handheld mobile device interface design. In Proceedings of DSI 2004 Annual Meeting (pp. 3751-3756).

Sung, E., &  Meyer, R. E. (2012). Students’ beliefs about mobile devices Vs. desktop computers in South Korea and the United States. Computers & Education 59 ,(2012), 1328- 1338.

Thomas, D. R., Rice, A. (2015). Security Metrics for the Android Ecosystem. ACM CCS Workshop on Security and Privacy in Smartphones and Mobile Devices (SPSM), Oktober 2015.

Welsh, K., France, D., Park, J. & Whalley, B. (2011). Enhancing fieldwork learning in the biosciences, Bioscience Bulletin, 32, S. 6.

 

Weitere Quellen:

Evernote (2015) , abgerufen am 18.11.2015 von https://evernote.com/intl/de/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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