Literatur suchen und verwalten

LITERATUR SUCHEN

Wozu suchen wir Literatur?

Beim wissenschaftlichen Arbeiten befindet man sich in einem Spannungsfeld zwischen einer immensen Fülle von vorhandenen Informationen einerseits, sowie der Suche nach genau der gewünschten relevanten Information andererseits. Die zentrale Grundlage für gutes wissenschaftliches Arbeiten ist eine umfangreiche Literatursuche. Erst wenn man sich in den aktuellen Stand des Wissens eingearbeitet hat, können Hypothesen formuliert und anschließend neues Wissen generiert werden. Das Finden von hochwertiger Information ist gar nicht so leicht, man benötigt die passenden Werkzeuge und muss wissen, wie sie funktionieren.

Welche Strategien können für die Suche angewendet werden?

In folgender Tabelle sind drei verschiedene Suchansätze zusammengefasst mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Tabelle Suchstrategien

Suchstrategien, eigene Abbildung (Uni Hamburg, 2015).

Für eine umfassende Recherche ist eine Kombination des top-down- Ansatzes und dem Schneeballsystem zu empfehlen.

Was muss bei der Suche beachtet werden?

  1. Präzise Fragestellung: Der Ausgangspunkt ist zu wissen: Welche Informationen suche ich genau? Hierbei sollten ebenso passende Schlagwörter und Unterthemen für die Suche definiert werden.
  2. Auswahl des passenden Suchwerkzeuges: Die Wahl der Suchmaschine ist abhängig von Anforderungen des Nutzers und hat einen Einfluss auf die Ergebnisse. Die Universitätsbibliothek der HU Berlin bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Suche von Literatur, z.B.logo-primusjpg

Primus: Die zentrale Suchoberfläche der HU verfügt über Bücher, ebooks und Artikel aus elektronischen Zeitschriften. Man kann direkt auf Volltexte zugreifen und an Bücher gelangen.

EZB: Die elektronische Zeitschriftenbibliothek ezbbietet einen digitalen Zugriff auf HU-lizenzierte Zeitschriften, sortiert nach entsprechenden Fachgebieten (Psychologie, …).

Suche in Datenbanken – DBIS: Das Datenbankinformationssystem ist eine Metadatenbank, d.h. sie sucht eine passende Datenbank, wie z.B. Web of Knowledge oder Web of Science.

Beispiele:

1) Über das DBIS oder EBSCO gelangt man an die für Psychologen sehr nützliche Datenbank PsychInfo. Hierbei lassen sich relevante Artikel aus bislang rund 4 Millionen bibliografischen Einträgen finden (APA, 2015). Durch zahlreiche Suchoptionen und Filterfunktionen kann man sehr spezifische und hochwertige Informationen finden. Die Ergebnisse lassen sich unter anderem nach folgenden Funktionen filtern:

  • Art der Publikation: Zeitschriftenartikel, Bücher / Buchtyp, Enzyklopädie, …
  • Sprache / bzw. aus welchem Raum soll die Literatur kommen: deutsche, englischsprachige Untersuchungen, nicht-westliche Länder, …
  • Altersgruppe definieren: Kinder, Kleinkinder, Senioren, …
  • Populationsgruppe: Tierstudie, Mensch: Männer / Frauen
  • Klassifizierungen treffen: allgemeine Psychologie, Geschichte, Statistik …
  • Genutzte Methode: brain imaging, klinische Fallstudie, empirische Studie, …

2) Google Scholar: Auch über Google Scholar kann man an hochwertige wissenschaftliche Informationen gelangen. Hierbei bewegt man sich vom sogenannten „surface web“ zum „deep web“. Eingooglescholare Suche über Google geschieht an der Oberfläche, es wird Webseite für Webseite abgesucht. Google Scholar sucht mehr in der Tiefe, passiert dynamisch zahlreiche wissenschaftliche Server und teilweise Log-ins. Der Schwerpunkt bei der Suche liegt auf Fachzeitschriften. Google Scholar legt ein hohes Gewicht auf die Zitation der Forschungsliteratur, wodurch in den ersten Positionen häufig ältere Literatur und Klassiker gefunden werden. Durch gezielte Suche kann nur nach aktueller Literatur gesucht werden (Kunze, 2012). Ein großes Problem dieses Suchwerkzeuges besteht ein der einfachen Kopierbarkeit der Informationen, z.B. durch die Weitergabe als pdf, wobei das Urheberrecht verletzt werden kann (Kuny, 1998).

Wissen: wie funktioniert die Suchmaschine?

Nachdem man nun seine Suchanfrage spezifiziert und sich für ein Werkzeug entschieden hat, muss man ebenso wissen, wie es genau funktioniert und was für eine erfolgreiche Suche beachtet werden muss. So können z.B. verschiedene Suchoperatoren definiert werden:

UND, ODER, NICHT, Klammern setzen (dadurch kann man nach Prioritäten suchen), NEAR (sucht verwandte Begriffe).

Die verschiedenen Operatoren können je nach Suchmaschine abweichen.

Außerdem muss auf die Schreibweise geachtet werden, z.B. englisch oder amerikanisch: behavio?r. Bei der Stichwortsuche oder Schlagwortsuche unterscheidet man, ob das gesuchte Wort im Titel vorkommt. Zusatzfunktionen wie Thesaurus bieten Hinweise, welche Begriffe für meine Suche noch relevant sein könnten, oder der permutierter Index sucht verwandte Begriffe zu einem Wort.

Für den Einstieg in die Arbeit mit Datenbanken und v.a. für umfangreiche Suchen kann eine Schulung in der Bibliothek eine lohnende Investition sein. Bibliothekare verfügen über das nötige Fachwissen und Erfahrung und können weiterhelfen.

Die Literatursuche gestaltet sich als iterativer Prozess. Nach einem ersten Überblick wird die Suche immer weiter verfeinert. Während der Analyse des Themas sollte man entsprechende Kernbegriffe finden und eine Wortliste erstellen. Ggf. muss das Thema erweitert oder präzisiert werden, dafür kann man Ober- und Unterbegriffe nutzen. Ebenso kann Ähnliches nützlich sein und so sollten auch verwandte Begriffe gesammelt werden. Nach einer ersten Suche werden die Ergebnisse gesichtet und es wird überprüft, ob die gewählten Suchbegriffe passen oder für weitere Suchen angepasst werden müssen.

 

LITERATUR VERWALTEN

Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört neben dem Finden von hochwertigen Informationen auch deren Verwaltung. Ein Literaturverwaltungsprogramm kann dafür eine erhebliche Arbeitserleichterung sein. Es bietet zahlreiche Funktionen:

  • automatisiertes Eingeben, Speichern, Ordnen von bibliografischen Daten: V.a. bei umfangreichen Suchergebnissen ist das wesentlich übersichtlicher, strukturierter und zeitsparender als das „händische“ Verwalten von Literatur. Durch Exportieren der bibliografischen Daten kann Literatur einfach verwaltet werden.
  • Literatur zu suchen: Einige Programme verfügen über eine Suchfunktion. Hierbei können Suchanfragen auch gespeichert werden.
  • Annotieren: die gesammelte Literatur kann mit eigenen Notizen versehen werden.
  • Bibliographie, Referenzen erstellen: besonders zeitsparend ist das automatische Erstellen eines Literaturverzeichnisses und die Arbeit mit Referenzen im Textverarbeitungsprogramm.
  • Wissenschaftliches Arbeiten in virtueller Form kann über Literaturverwaltungsprogramme unterstützt werden (z.B. zwei Unis arbeiten an einem Projekt). Durch das durch Einrichten einer gemeinsamen Literaturverwaltung können die Quellen einfach festgehalten werden.

Beispiele:

Es gibt eine Reihe von Anbietern von Literaturverwaltungsprogrammen. Citavi, EndNote und Papers sind kostenpflichtige Programme. Zotero und Mendeley sind kostenlos und komplett webbasiert. JabRef und BibDesk sind kostenlos. Durch Brückenformate wie BibTeX und RIS lassen sich Dateien der gängigen Programme umwandeln (Kunze, 2012). Einen umfassenden Vergleich von verschiedenen Programmen und deren Funktionen findet man unter: Technische Universität München, 2013.

Eine grobe Übersicht über die Vorzüge und Nachteile der Programme findet sich in folgender Abbildung, ebenso wie der Vorstellung der Beispiele EndNote und Mendeley.

googlescholar

Vergleich ausgewählter Literaturverwaltungsprogramme aus TU München, 2013

EndNote

Hierbei handelt es sich um ein geschlossenes System, dessen Stärke v.a. Einbettung von Literatur in Textdokumente besteht. Sehr einfach können Referenzen verwaltet werden, indem man sie mit einem Klick an das Programm sendet und von dort aus geordnet in ein Worddokument einfügen kann. Außerdem bietet EndNote die Möglichkeit, direkt in Datenbanken zu suchen und an Volltexte zu gelangen.

Mendeley

Dies ist ein webgestütztes System, dessen Stärke v.a. darin besteht, via Internet Dokumente mit anderen zu teilen und zu bearbeiten. Literaturverzeichnisse lassen sich gut mit wenig Datenverlust zusammenfügen, wenn alle Mitglieder mit Mendeley arbeiten. Mit einer installierbaren Software kann das Literaturverzeichnis in ein Textdokument übertragen werden. Da das Programm zudem kostenlos ist, stellt es einen ernsthaften Konkurrenten für EndNote dar. Allerdings erfolgt die Eingabe der bibliografischen Daten nicht automatisch, sondern muss per Copy, Paste zugefügt werden. Ein großes Problem an diesem Programm besteht im Datenschutz. Dies betrifft sowohl die Nutzerdaten als auch das Urheberrecht. Mendeley kooperiert eng mit sozialen Netzwerken, wie Facebook, wobei Nutzerdaten offengelegt werden (Bravo Roger, Völker, 2012).

Welche Anforderungen stellt der Nutzer an das Programm?

  • Design: Ist die Benutzeroberfläche ansprechend und übersichtlich gestaltet? Findet man die Funktionen leicht?
  • Nutzen: Welche Funktionen soll das Programm bieten?
    • Wie kann man Literatur strukturieren?
    • Kann man ein Literaturverzeichnis erstellen? In welchem Zitationsstil?
    • Kann man damit suchen; wo; nach Volltexten?
    • Ist ein Annotieren möglich?
    • Wo arbeitet man: an einem oder verschiedenen Computern, an mobilen Geräten?
    • Ist eine Zusammenarbeit mit anderen möglich?

Aus der Genauigkeit und Vollständigkeit der Zielerreichung ergibt sich die Effektivität.

  • Verfügbarkeit, Kosten: Wie gelange ich an das Programm, z.B. über eine Hochschullizenz oder kostet das Programm? Entstehchecklisten Folgekosten bei Verlassen der Universität?

Aus dem Kosten-Nutzen-Verhältnis ergibt sich die Effizienz.

  • Einarbeitungszeit: Kann man die Bedienung gut selbst erlernen; kann man Kurse besuchen oder gibt es eine Hilfefunktion?
  • Vergleichbarkeit – Einzigartigkeit: Reicht ein kostenloses Programm aus oder bietet ein kostenpflichtiges einen erheblich größeren Nutzen?
  • Integrierbarkeit:
    • Passung zum Betriebssystem (MAC, Windows, …)
    • Kann es mit meiner Textverarbeitung zusammenarbeiten (Word, Open Office, …)?
    • Gibt es eine mobile Version?
    • Kann man Dateien von anderen Programmen integrieren?, Mit welchem System arbeiten Kollegen?
    • Wenn man mehrere verschiedene Verzeichnisse zusammenführen will, soll ein gemeinsames einheitliches Verzeichnis entstehen, wobei Mehrfachnennungen (Dubletten) erkannt werden sollen, sowie möglichst wenige Informationen verloren gehen sollen.
    • Archivierbarkeit / Nutzbarkeit in der Zukunft: umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten laufen meist über mehrere Jahre. Verschiedene Dokumenttypen sollten langfristig archiviert werden können.

Literaturverwaltungsprogramm: ja oder nein?

Die Entscheidung, ob ein Literaturverwaltungsprogramm eingesetzt werden soll, hängt von den Bedürfnissen des Nutzers ab. Handelt es sich um kleinere, kurzfristige wissenschaftliche Arbeiten, mag der Aufwand der Beschaffung und Einarbeitung in das Programm, oder gar die Kosten für eine Software, nicht angemessen sein. Will man jedoch umfangreich und über längere Zeit wissenschaftlich arbeiten, bietet ein Literaturverwaltungsprogramm eine erhebliche Arbeitserleichterung und sollte v.a. im professionellen Kontext eingesetzt werden. Die Wahl des konkreten Programmes erfolgt individuell nach seinen entsprechenden Anforderungen.

Quellen

Bravo Roger, F., Völker, N. (2012). Gemeinsame Datenbank statt Ordner-Chaos. B.I.T.online, 15(5), 461-64.

Kuny (1998). The digital library: Myths and challenges. IFLA Journal (24), 107-113.

Kunze, J. (2012). Digitale Werkzeuge für die persönliche Wissensorganisation. CMS Journal, 35, 37-43.

Müller, R., Plieninger, J., Rapp, C. (2013). Recherche 2.0 : Finden und Weiterverarbeiten in Studium und Beruf. Wiesbaden: Springer.

Rost, F. (2012). Lern– und Arbeitstechniken für das Studium. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Stöhr, M. (2012). Citavi, EndNote, Zotero & Co. effektiv(er) einsetzen. CMS Journal, 35, 27-31.

Elektronische Ressourcen

American Psychological Association (2015). PsycINFO. Abgerufen am 12.11.2015 unter http://www.apa.org/pubs/databases/psycinfo/index.aspx.

IT-Wissen (2015). Datenbank. Abgerufen am 16.11.2015 unter http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Datenbank-DB-database.html.

Studi-Lektor (2015). Literaturrecherche im Internet für die Seminararbeit, Bachelorarbeit und Masterarbeit. Abgerufen am 10.11.2015 unter https://studi-lektor.de/tipps/literaturrecherche/internet-literaturrecherche.html.

Technische Universtität München (2013). Softwarevergleich Literaturverwaltung. Abgerufen am 10.11.2015 unter https://mediatum.ub.tum.de/doc/1108526/1108526.pdf.

Uni Hamburg Lotse (2015). Hilfen und Tipps zur Literatursuche. Abgerufen am 10.11.2015 unter https://lotse.sub.uni-hamburg.de/fachuebergreifend/literatur_recherchieren_und_beschaffen/strategien_zur_literatursuche/hilfen_tipps-de.php.

Uni Hamburg Lotse (2015). Strategien zur Literatursuche. Abgerufen am 10.11.2015 unter https://lotse.sub.uni-hamburg.de/fachuebergreifend/literatur_recherchieren_und_beschaffen/strategien_zur_literatursuche/strategien_zur_literatursuche-de.php.

 

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