Social Bookmarking

Social Bookmarking – das Anlegen digitaler Lesezeichen und seine Möglichkeiten

Das Internet hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer unerschöpflichen Quelle an Wissen entwickelt und für uns zur einfachsten Möglichkeit, schnell an Informationen zu gelangen. Nachrichtenportale, Webseiten, Blogs, Videos … Sie alle vermitteln uns auf unterschiedliche Art und Weise und in verschiedenen Qualitätsabstufungen Wissen. Oft fehlt mir im Alltag die Zeit, um sich mit allen interessanten Themen und Webseiten beschäftigen zu können, daher greife ich immer häufiger auf die Möglichkeit zurück, Internetseiten mit digitalen Lesezeichen zu versehen, um zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darauf zurückgreifen zu können. Mit der Zeit wird dieses reine Anlegen an Lesezeichen jedoch immer unübersichtlicher, gerade wenn man Links zu sehr vielen unterschiedlichen Themenbereichen anlegt. Eine Lösung für genau dieses Problem liefern sogenannte Social Bookmarking-Dienste.

Begriff Social Bookmarking

Der Begriff Social Bookmarking, übersetzt „soziale Lesezeichen“, bezeichnet das Ablegen digitaler Lesezeichen auf speziellen Bookmarking-Plattformen, um sie dort zu besser verwalten und mit anderen Nutzern teilen zu können [2]. Dabei werden die digitalen Lesezeichen nicht wie üblich auf dem Browser des eigenen Computers gespeichert, sondern auf den Servern des jeweiligen Bookmarking-Portals [6].

Die zwei zentralen Aspekte des Social Bookmarking

Das Bookmarking-Prinzip hat zwei wichtige Funktionen: Im Hinblick auf den privaten Gebrauch ermöglichen diese Portale eine bessere Verwaltung und Organisation der eigenen abgelegten Lesezeichen. Dabei kann jede Onlineressource, die über eine URL-Adresse im Internet zu finden ist, mit einem Lesezeichen (engl. Bookmark) versehen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut abgerufen werden [6,8].  Für eine bessere Übersichtlichkeit können diese, nach Markierung mit einem Lesezeichen, in verschiedenen frei angelegten Ordner gespeichert werden und mit sogenannten „Tags“ versehen werden.

Businessman Working on Laptop --- Image by © Royalty-Free/Corbis

Businessman Working on Laptop — Image by © Royalty-Free/Corbis

Dabei handelt es sich um Schlagwörter bzw. Schlüsselwörter, die den Inhalt einer Seite oder eines Artikels in wenigen aussagekräftigen Wörtern widergeben. So kann die Person, die das Lesezeichen anlegt, eine Onlinequelle nach ihrem Inhalt kategorisieren und diese anhand der hinzugefügten Tags später leichter in der eigenen Lesezeichensammlung wiederfinden [7,9]. Dabei sind beim Taggen jedoch nicht wie bei herkömmlichen Indexierungsvorgängen (wie bspw. Bibliotheken) feste Kategorien vorgegeben, sondern der Nutzer kann die Tags für seine Bookmarks frei kreieren und seine Lesezeichen unter Schlagwörtern, welche der eigenen Logik entsprechen speichern.

Legen mehrere User Lesezeichen unter diesen Tags ab, spricht man von „Folksonomien“, sogenannten Sammlungen von Tags, die eine gemeinsame Struktur von Schlüsselwörtern zur Kategorisierung benutzen [3,7]. Diese Folksonomien werden häufig auf den entsprechenden Plattformen als „Tag-Wolken“ (engl.: Tag-Clouds) dargestellt. Dabei werden sämtliche Schlagwörter gestalterisch in einer Wolke zusammengefasst, wobei Tags mit der größten Relevanz und häufigsten Verwendung in einer größerer Schrift und Schreibdicke abgebildet werden, um ihren stärkeren Bezug zum Thema abzubilden [4,7]. Das Taggen hat den Vorteil, dass durch die freie Auswahlmöglichkeit der Schlüsselwörter der Inhalt von Quellen detaillierter wiedergegeben werden kann und die Bookmarks dadurch einen höheren Mehrwert für andere User haben. Die individuelle Festlegung der Tags kann außerdem bewirken, dass man mit weiteren, bisher unentdeckten Aspekten eines Themas in Kontakt kommt. Ein Beispiel: Ein Nutzer, der nach interessanten Webseiten unter dem Tag  „Segeln“ sucht, wird dabei auf gespeicherte Links von anderen Nutzern zur Rubrik „Segelsport“ aber beispielsweise auch zum „Bau von Segelbooten“ finden. Die Tags der anderen Nutzer könnten ihm also auch neue Anregungen zu dem eigenen Thema geben [3].

Allerdings können auch Unstimmigkeiten auftreten, wenn Lesezeichen mit gleichem Inhalt unter verschiedenen Tags abgelegt werden oder Synonyme verwendet werden [5,7]. Eine Studie zur Auswertung des Bookmarking-Dienstes „Delicious“ konnte zeigen, dass nur 7% der Links ohne Verschlagwortung gespeichert wurden; im Durchschnitt wurde jede gespeicherte Seite mit 3,16 Tags versehen [8]. Die Technik des Taggens scheint also auch wirklich Verwendung unter den Nutzern der Social Bookmarking-Dienste zu finden.

Bild 4

chris_lemmens/istockphoto.com

Der zweite wichtige Aspekt des Social Bookmarking steckt in seiner Beschreibung mit dem zusätzlichen Begriff „Social“ [2]. Neben der Nutzung für den privaten Gebrauch ist die Idee der Bookmarking-Portale auch einen sozialen Austausch der abgelegten Lesezeichen zu ermöglichen. Da die Bookmarks auf einem öffentlichen Server gespeichert sind, könnten sie theoretisch auch für alle anderen Nutzer des Portals zur Verfügung stehen [8]. Ob die gespeicherten Bookmarks ausschließlich für den privaten Gebrauch angelegt werden oder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, kann jeder Nutzer individuell in seinen Einstellungen festlegen [4,6]. Sind meine Bookmarks als „öffentlich“ markiert, kann jeder Nutzer des Portals darauf zugreifen;  bei den meisten Bookmarking-Diensten gibt es außerdem die zusätzliche Funktion, Bookmarks von anderen Nutzern kommentieren und bewerten zu können [4,6]. Dies hat den Vorteil, dass der Nutzer nicht wie bei herkömmlichen Suchmaschinen eine Fülle von Webseiten präsentiert bekommt, sondern bereits eine Vorauswahl von anderen Personen, die eine Seite und deren Inhalt als sinnvoll und positiv empfunden haben und diese daher mit einem Lesezeichen markiert haben. Anstatt aller Suchergebnisse, erhalte ich also bereits eine vorselektierte Auswahl [2,4].

Gleichzeitig reflektieren diese Dienste dadurch die Interessen von Millionen von Nutzern weltweit und können so aktuelle Trends abbilden [8].  Bookmarks, die von besonders vielen Nutzern als positiv bewertet wurden und derzeit die größte Popularität unter den Usern besitzen, werden auf der Startseite der Portale angezeigt und können, beispielsweise beim Onlineportal „Delicious“, von den Usern durch einen speziellen Infoservice abonniert werden. Somit können aktuelle Neuigkeiten zum Weltgeschehen oder internationale Trends der Bevölkerungen sehr schnell verbreitet werden [8,9]. Außerdem können Nutzer auch bestimmte Personen mit gleichen Interessen oder Freizeitaktivitäten abonnieren oder bestimmte Themengebiete auswählen; sie erhalten dann elektronische Benachrichtigungen sobald neue Bookmarks zu den erwünschten Bereichen verfügbar sind [3,4,8].

Eine Studie [1] konnte zeigen, dass für die Aufrechterhaltung dieser sozialen Funktion der Bookmarking-Dienste zwei Faktoren eine entscheidende Rolle spielen: Die Aktivität der User in der Bereitstellung eigener Bookmarks scheint zum einen davon abzuhängen, wie die Aktivität der Community wahrgenommen und eingeschätzt wird. Zum anderen spielt auch die  Bewertung der Relevanz der eigenen Quellen für andere Nutzer eine große Rolle. Je eher die Teilnehmer der Studie der Ansicht waren, dass sich die anderen Mitglieder ebenfalls aktiv auf den Plattformen beteiligen und ihrem Beitrag für die Community leisten, desto aktiver waren sie ebenfalls in der Speicherung von Bookmarks. Die Aktivität war zusätzlich noch erhöht, je relevanter die eigenen Bookmarks und dahinter liegenden digitalen Quellen für andere Nutzer eingeschätzt wurden. Die Bewertung sowohl des Beitrags der anderen Nutzer, als auch des eigenen Beitrags für die Community, scheinen also grundlegende Faktoren zu sein, die für die Aufrechterhaltung der sozialen Komponente des Bookmarkings notwendig sind [1].

Dabei ist nach einer Studie jedoch nur ein geringer Prozentanteil der User an der aktiven Verlinkung beteiligt. So sind die Top 10 der Nutzer von „Delicious“, die auch aktiv Lesezeichen hinzufügen, für 62% der zur Verfügung stehenden Bookmarks verantwortlich. Ein kleiner Teil der Nutzer scheint also auch wirklich selbst Bookmarks hinzuzufügen, während ein Großteil der Nutzer lediglich die zur Verfügung gestellten Webseiten nutzt bzw. kommentiert [8].

Vor- und Nachteile der Nutzung von Social Bookmarking Diensten

Die Nutzung einer dieser Social Bookmarking Portale setzt lediglich einen Zugang zum Internet voraus und ist ansonsten völlig kostenfrei. Verfügbare englischsprachige, internationale Bookmarking-Dienste sind beispielsweise Delicious, Tumblr, Folkd, Reddit, Stumbleupon und Digg, während im deutschsprachigen Raum Mr. Wong verwendet werden kann. Die Anmeldung ist unkompliziert und erfordert lediglich die Angabe bestimmter Personendaten, sowie das Anlegen eines Benutzerprofils. Unmittelbar nach Anmeldung sind die Dienste auch nutzbar. Der Zugriff auf populäre Artikel und das Nutzen der Suchfunktion ist auf den meisten Portalen auch ohne eine Anmeldung möglich; das private Anlegen von Bookmarks, Einsichtnahme in die Kommentare anderer Nutzer und die Bewertung der Bookmarks der Community ist ohne eine Anmeldung jedoch nicht möglich [4].

Das Prinzip der Bookmarking-Dienste ist mit dem anderer Suchmaschinen vergleichbar [6]. Aus den Einträgen der Suchanfragen werden auf dem Portal passende Übereinstimmungen mit den dort hinterlegten Lesezeichen gesucht. Allerdings wird hier durch das Bewertungssystem und das Ranking der Community das Finden von qualitativ hochwertigen Beiträgen vereinfacht [9]. Anhand der Bewertungen der anderen Nutzer, die sich bereits mit dem vorliegenden Artikel oder Webseite auseinander gesetzt haben, kann man Rückschlüsse auf die eigene persönliche Relevanz ziehen. Außerdem fand eine Studie heraus, dass auch Internetseiten mit niedrigen PageRank Values, die über herkömmliche Suchmaschine nur schwer zu finden sind, in den Sammlungen der Bookmarking-Portale verfügbar waren [9].

Des Weiteren ist durch die freie Auswahl der Tags auch eine emotionsbasierte Speicherung möglich, d.h. User können ihre Lesezeichen unter bestimmten Emotionskategorien speichern. So können Nutzer der Plattformen gezielt nach Artikeln suchen die mit einer bestimmten Emotion verknüpft sind, wie beispielsweise „inspirierend“ oder „lustig“. Tags mit den Emotionen „Useful“, „Amazing“ und „Awful“ wurden dabei am häufigsten vergeben, wobei die User eher positive Emotionen bevorzugten [9]. Auch hier spielt der Aspekt des „Social“ also wieder eine wichtige Rolle und ermöglicht eine ganz neue Dimension der Suchanfrage.

Nach der kostenfreien Anmeldung kann der Benutzer die Bookmarking-Dienste beliebig für den privaten Gebrauch oder für die sozialen Austauschmöglichkeiten nutzen. Mit Hilfe der Portale kann ich eigene Lesezeichen leichter verwalten und unter genauer differenzierten Kategorien speichern [2]. Das verschafft Übersichtlichkeit und einen schnelleren Zugriff auf wichtige Quellen. Aber auch die Möglichkeiten im sozialen Bereich bieten wie bereits erläutert viele Vorteile [8]. Neben der gezielten Suche im Bookmarks anderer Nutzer, können gespeicherte Webseiten der Anderen auch Anregungen für neue Interessengebiete geben [3].

Da die Portale in Aufbau und Struktur, Funktionen, aber auch Qualität der verlinkten, digitalen Quellen stark unterscheiden, empfiehlt sich zunächst einmal das Testen verschiedener Portale, um eine geeignete Plattform für den persönlichen Gebrauch zu finden. Ein weiterer Vorteil der Social Bookmarkings-Dienste liegt in der standortunabhängigen Abrufbarkeit der Lesezeichen. Da diese auf einem öffentlichen Server abgelegt werden, sind von jedem Gerät mit Internetanschluss abrufbar [2,4].

Kritische Aspekte des Social Bookmarkings sind unter anderem die fehlende Kontrolle und Überprüfbarkeit dieser Portale [3]. Da diese Seiten von Nutzern weltweit völlig frei in Anspruch genommen werden können, gibt es keine Kontrollmöglichkeiten darüber, welche Inhalte gespeichert werden und wie diese zu Verfügung gestellt werden [9]. So können auch wenig sinnvoll Artikel, bereits nicht mehr existierende Seiten oder auch Spams leicht verteilt werden. Zwar helfen die Bewertungen der Community, aber nicht alle Internetquellen werden in gleichem Maße bewertet. Besonders bei dem Ablegen der Tags können leicht Missverständnisse oder Fehlformulierungen entstehen, die bewirken, dass auch relevante Artikel für andere Nutzer nur schwer zu finden sind [5].

 Mein Fazit über Social Bookmarking

Insgesamt verfügt Social Bookmarking meiner Meinung nach über viele interessante Aspekte der Informationsteilung. Zwar sind einige Seiten auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, nach einer kurzen Einarbeitung ist die Nutzung der Portale jedoch leicht und auch noch kostenfrei.

Neben der Nutzung für die Verwaltung eigener Lesezeichen, bieten die Bookmarks anderer Nutzer interessante Tipps und Anregungen, die man nutzen kann, aber letztendlich nicht muss. Für mich ist Social Bookmarking daher für zukünftiges Arbeiten ein praktisches Hilfsmittel, um mit der Fülle an Wissen und Quellen im Internet besser umgehen und diese effektiver für sich nutzen zu können.

 

Literaturverzeichnis

  • [1] Arakji, R., Benbunan-Fich, R. & Koufaris, M. (2009). Exploring contributions of public resources in social bookmarking systems. Elsevier, Decision Support Systems, 47, 245-253.  doi:10.1016/j.dss.2009.02.007
  • [2] Churchill, D., Wong, W., Law, N., Salter, D. & Tai, B. (2009). Social Bookmarking-Repository-Networking: Possibilities for Support of Teaching and Learning in Higher Education. Elsevier, 35(3), 142-148. doi:10.1016/j.serrev.2009.04.006
  • [9] Yanbe, Y., Jatowt, A., Nakamura, S. & Tanaka, K. (2007). Can Social Bookmarking Enhane Search in the Web?. JCDL’07 ACM 978-1-59593-644-8, 107-116.  doi:10.1145/1255175.1255198

 

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Ein Gedanke zu „Social Bookmarking

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