Tool Evaluation

1. Einleitung

Nur wenige Menschen sind klug genug, hilfreichen Tadel nichtssagendem Lob vorzuziehen. (Francois de La Rouchefoucauld)

In diesem Sinne und am Ende des Semesters und somit des Seminars angelangt, geht es um Tadel bzw. Feedback. Während die Lehrevaluation ein spezielles Feedback für den Lehrenden selbst bietet, soll an dieser Stelle Feedback zu dem im Seminar eingesetzten Werkzeugen eingeholt werden. Hiermit sind die verwendeten Tools, nämlich Twitter, MoodleWiki und der WordPress Blog gemeint. Basierend auf einer in der letzten Januarhälfte versendeten Online-Umfrage erfolgt eine Evaluation dieser. Die in dem Fragebogen eingesetzten Items wurden speziell für die Tool-Evaluation entwickelt und entsprechend den wissenschaftlichen Anforderungen konzipiert. In meinem Blogbeitrag findet ihr zu der Itemkonstruktion später mehr.  Natürlich werden im Rahmen dieses Beitrages auch die Ergebnisse der Evaluation vorgestellt.

Mir war bzw. ist es jedoch wichtig mit meinem Blogbeitrag, neben der reinen Evaluation, für noch ein bisschen Mehrwert zu sorgen. Aus diesem Grund stelle ich zu Beginn meiner Arbeit noch weitere Evaluationstools vor, die ihr später bei Trainings oder auch in Seminaren verwenden könnt.

2. Vorstellung der Lernmethoden: Twitter, WordPress, Moodle Wiki

2.1 Kurze Erläuterung zu Twitter

Twitter ist ein kostenloser Microblogging-Dienst, dessen Nutzer über kurze Textnachrichten von maximal 140 Zeichen Länge kommunizieren. Der 2006 gestartete Dienst hat mittlerweile 200 Millionen registrierte User (Taylor, 2011), davon ca. 550.000 im deutschsprachigen Raum (Pfeiffer, 2011). Etwa 100 Millionen User weltweit loggen sich mindestens einmal monatlich ein, gab CEO Costolo im Herbst 2011 bekannt, und die Hälfte davon twittern täglich.

Insbesondere nach dem Jahr 2009 etablierte sich Twitter als Informations- und Kommunikationskanal. Das liegt einerseits daran, dass immer mehr bekannte Unternehmen und Personen begonnen haben, Twitter zu nutzen und dafür Werbung zu machen. Andererseits sorgen Ereignisse wie der Arabische Frühling oder das Erdbeben in Japan dafür, dass sich immer mehr Menschen mithilfe von Twitter informieren. Dabei befriedigt es sowohl professionelle als auch persönliche Kommunikationsbedürfnisse, schließlich kann man nicht nur Barack Obama auf Twitter folgen, sondern die Updates von Freunden und Familie sind auch ständig abrufbar.

Ursprünglich sollte Twitter eine Plattform sein, auf der Nutzer in maximal 140 Zeichen die Frage „Was tust du gerade“ beantworten. Menschen verkündeten ziemlich freizügig wen sie gerade trafen, was sie zu Abend aßen etc. und für viele erschien dies wie eine sinnlose Zeitverschwendung. Einige erkannten aber auch, dass Twitter noch mehr zu bieten hat, nämlich die Möglichkeit Menschen an weit auseinander liegenden Orten miteinander zu verbinden und so ein Gefühl von Nähe und Intimität zu schaffen. Dieses Phänomen wird von der Webentwicklerin Leisa Reichelt (2007) auch als „Ambient Intimacy“ bezeichnet. In wie weit diese „Ambient Intimacy“ in unserem Seminar geschaffen werden konnte ist fraglich, die Ergebnisse der Online Survey werden dazu mehr verraten.

2.2 Kurze Erläuterung zu Moodle Wiki bzw. DenkWikiHome

Das Denkwiki, eingebettet in Moodle, stellt eine Plattform zur Zusammenarbeit der Seminarteilnehmer[1] dar. Es ist folglich ein internes Werkzeug, welches den Arbeitsprozess unterstützen sollte. Insbesondere sollte sich die Unterstützung in sofern gestalten, als dass die Teilnehmer rechtzeitig vor dem Referatstermin den Inhalt ihres Referates dort präsentieren um Anregungen und unter Umständen bereits erste kritische Rückmeldungen zu erhalten.

2.3 Kurze Erläuterung zu WordPress

Bei WordPress handelt es sich um eine „vielseitige und leicht zu bedienende Websoftware“ die in „erster Linie eine Blog-Plattform“ bietet (http://de.wordpress.org). In unserem Seminar sollte der Blog speziell zum Wissensaustausch und zum Nachlesen der im Seminar vorgestellten Inhalte genutzt werden. Aber was genau macht einen Blog aus, definitorisch aber auch von der technischen Seite her betrachtet? Welches Publikum erreichen wir damit? Und wie lassen sich Beiträge unter Umständen noch publikumsgerechter verfassen? Im Folgenden werde ich versuchen, kurze Antworten auf diese Fragen zu geben.

Was ist ein Blog?

Blog ist eine Abkürzung für Webblog. Ein Blog ist eine Website, die von Personen oder wie in unserem Fall von Gruppen gepflegt werden.  Typischerweise enthält ein Blog neben interessanten Texten auch Graphiken oder Videos. Die Darstellung folgt einer achronologischen Logik, das heißt, die neusten Artikel werden zuerst angezeigt.

Blogs unterscheiden sich von normalen Websites darin, dass sie Elemente des sozialen Netzwerkes enthalten – so werden die Leser bspw. zum Kommentieren von Texten aufgerufen wodurch sich schnell ein Dialog ergeben kann (Wikipedia, 2014). Also in diesem Sinne „feel free to share your opinion with me“.

Wie funktioniert ein Blog technisch gesehen?

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Dienste welche zum bloggen benutzt werden können. Auf den meisten Plattformen lassen sich Links und Bilder extrem einfach einfügen, ohne dass man hierfür vorher einen HTML-Programmierkurs belegt haben muss. Die meisten Plattformen folgen dem „what you see is what you get Prinzip“, was bedeutet, dass bei einer laufenden Verarbeitung bereits das Endergebnis des Prozesses angezeigt wird.

Da die Anzahl der Blogging-Plattformen sehr groß ist sollte im Vorhinein überlegt werden, ob man eine gehostete oder nicht gehostete Lösung bevorzugt. Gehostet bedeutet, dass der Blog auf einem fremden Webspace liegt.

Abschließend, im Zeitalter des Tablets und Smartphones sollte man sich auch die Frage der Kompatibilität stellen und gegebenenfalls den Quellcode entsprechend anpassen. Ohne hier weiter ins Detail gehen zu wollen, sei angemerkt, dass es eine Reihe an Tools gibt, die diese Prüfung übernehmen können z.B. Adobe-Air-Anwendungen, Operas Mobile Emulator oder auch entsprechende WordPress-Plugins.

Welches Publikum erreichen wir bzw. wollen wir erreichen?

Ein Blog wird erst dann lebendig und gerne gelesen wenn er offen und ehrlich ist. Die erfolgreichsten Blogs bieten große Transparenz zwischen Leser und Autor (Grünstäudl, 2013). Blogs vermitteln ein anderes Gefühl als traditionelle Medien: Sie kommunizieren ihre Ansichten informell und menschlich. Bevor es also an das Verfassen von Blogbeiträgen geht sollte man sich mit der anvisierten Lesergruppe auseinandersetzen – in unseren Fall wären dies höchst wahrscheinlich Studierende, Lehrende und an Wissensmanagement interessierte Personen. Haben wir diese nun erreicht? Die Frage stelle ich gerne zur Diskussion.

Publikumsgerechte, spannende Beiträge…?

Bestehen sicherlich nicht nur aus dem Text allein, vielmehr sollten Videos, Symbole, Grafiken, Diagramme und andere visuelle Elemente mit eingebunden werden. Der Schreibstil selbst ist natürlich auch wichtig. Einen guten Beitrag zeichnet aus, dass er knapp und in gut lesbare Abschnitte gegliedert ist – hier darf auch gerne auf altbekanntes Schulwissen zurückgegriffen werden: Einleitung, Hauptteil, klare Schlussfolgerung und zentrale Aussagen durch fett und kursiv Schrift hervorheben.

3. Evaluationtools

Wie schon Kenneth H. Blenchard richtig erkannte „feedback is beeakfast of champions“, also sollten wir es zu uns nehmen, wann immer und so oft wie immer möglich. Über die Art und Weise und die Dosierung des Feedbacks entscheiden wir, schließlich möchten wir uns nicht schon am frühen Morgen den Magen verderben 😉

Nun gibt es verschiedenste Möglichkeiten Feedback zu geben, insbesondere im privaten wie auch beruflichen Alltag bietet es sich jedoch an, direkt um dieses zu bitten bzw. dieses direkt zu geben – natürlich unter Beachtung einiger Regeln.

Bei der Evaluation von Workshops, Seminaren, Meetings, neu eingesetzten Instrumenten und insbesondere immer dann wenn mehrere Personen um ihre Meinung gebeten werden, ist ein systematischeres Vorgehen anzuraten. Die Form und der damit verbundene Aufwand liegt im Ermessen des Feedbackgebers- bzw. –nehmers.

Um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten und viele Personen zu erreichen bietet sich eine Onlinebefragung an. Dies ist auch in unserem Fall geschehen. Nichtsdestotrotz gibt es auch interaktivere Möglichkeiten Feedback einzuholen und gerade diese Möglichkeiten können sehr schön am Ende von Seminaren oder Trainings eingesetzt werden. Drei meiner liebsten Methoden werde ich im Folgenden vorstellen.

3.1 De Bono Denkhüte

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Bei den von Edward de Bono entwickelten Denkhüten handelt es sich um eine Kreativtechnik, welche sowohl bei Gruppendiskussionen, wie auch bei Gruppen-Feedback eingesetzt werden kann. Die einzelnen Hüte repräsentieren hierbei Rollen bzw. Denkweisen oder Blickwinkel, welche von den einzelnen Gruppenmitgliedern eingenommen werden sollen. Insgesamt stehen sechs Hüte zur Verfügung. Der schwarze Hut äußert alle objektiv negativen Aspekte, der Gelbe hingegen alle objektiv positiven Aspekte. Der weiße Hut zeichnet sich dadurch aus, dass er umsichtig Informationen sammelt, ohne sie zu werten. Der Träger des weißen Huts nimmt folglich eine neutrale Position ein. Ganz in Gegensatz zum weißen Hut, bezieht der rote Hut sich auf Emotionen. Seine Aufgabe ist es alle Gefühle, die er im Bezug auf z.B. das Seminar hat, anzusprechen. Gemeint sind positive wie negative Gefühle. Der grüne Hut steht für Kreativität, für Wachstum und für neue Ideen. Wer diesen Hut trägt, begibt sich auf die Suche nach Alternativen. Der blaue Hut übernimmt die wichtige Funktion den gesamten Arbeits- und Denkprozess zu organisieren und zu kontrollieren (deBono,1989).

3.1 Multi-Dot Survey/ Sticking Dots

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Sticking dots ist eine Methode zur schnellen Feststellung von Prioritäten bzw. Präferenzen durch Abstimmung. Sie stellt keine tiefenanalytische Methode dar, erlaubt aber eine kurze und genaue Messung was über die aktuelle Idee gedacht wird. Die Methode wird in der Gruppe durchgeführt und basiert auf Meinungen. Sie bietet jedoch Einsatzmöglichkeiten in vielen verschiedenen Bereichen und ist nützlich um Meinungen in frühen Phasen des Ideenauswahlprozesses zu sammeln. Die Schritte zur Ausführung dieser Methode sind recht simpel. Die Ideen bzw. zur Diskussion stehenden Tools werden klar sichtbar auf einer Flipchart (oder ähnlichem 
Hilfsmittel) dargestellt.  Jeder Teilnehmer bekommt nun eine gewisse Anzahl an Klebepunkten, welcher er dann beliebig auf dem Flipchart mit der bevorzugten Idee kleben kann. Die Punkte spiegeln positives Feedback wieder, d.h. je mehr Punkte, desto besser ist die in Frage stehende Idee bzw. das Tool. Alternativ hierzu kann unter der Idee, bzw. dem zu evaluierenden Tool auch eine Skala angebracht werden auf welcher dann der Punkt platziert wird. Nachdem alle Punkte platziert sind, beginnt die Gruppe eine Diskussion über erkennbare Muster oder allgemeine 
Beobachtungen.

3.1 Die Zielscheibenmethode

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Die Zielscheibenmethode ist eine Methode die ohne viel Gespräch auskommt, da sie komplett auf mündliches Feedback verzichten kann. Diese Methode benötigt ein wenig Vorbereitung in Form eines großen Plakats, auf das man zunächst eine
Zielscheibe einzeichnet, die in vier Bereiche aufgesplittet ist. Die Referenten wählen selbst über welche Bereiche sie eine Rückmeldung von den Beteiligten haben wollen.
Diese Bereiche sind zum Beispiel: Struktur/Aufbau des Vortrags, Aktivierung der Teilnehmer, Moderation der Diskussion,
 Wissensvermittlung, Medieneinsatz
, Unterhaltungswert.

Nun dürfen die Beteiligten ihr Feedback abgeben. Jeder setzt einen Punkt in jedes Feld. Je weiter innen der Punkt gezeichnet wird, desto besser war dieser Aspekt. Ist der Punkt weiter außerhalb, desto größer ist der Verbesserungsbedarf bei den Referenten.
Wenn die Gruppe ihr Feedback komplett abgegeben hat, können die Referenten das Meinungsbild visuell erkennen und wissen sofort wo die Stärken und wo die Schwächen lagen.

Für die, die sich ein schnelles Feedback ohne große Worte wünschen, ist dies wohl die genau richtige Methode!

3.1 Fragebogen bzw. Online-Survey

Fragebögen bzw. Online Survey eignen sich besonders dann, wenn eine große Teilnehmerzahl erreicht werden soll und mehrere bzw. komplexe Untersuchungsgegenstände gegeben sind. In unserem Fall sollte die Zufriedenheit der Seminarteilnehmer mit den im Seminar eingesetzten Tools, Twitter, WordPress Blog und Moodlewiki erfasst werden. Um ein möglichst umfassendes Meinungsbild zu erhalten habe ich in meiner Befragung nicht nur oberflächlich die Zufriedenheit abgefragt, sondern auch die Teilnehmer gebeten Angaben zur Tool Usability, die Häufigkeit der Benutzung und auch Verbesserungsvorschläge zu machen. Da solch eine Befragung den zeitlichen Rahmen des Seminars sprengen würde, habe ich den Teilnehmern vorab den Online-Fragebogen zur Verfügung gestellt. Im Folgenden werde ich auf die Item-Entwicklung für den Fragebogen eingehen und dann die Ergebnisse der Befragung vorstellen.

4. Item-Entwicklung für die Online-Survey

Die Anforderung bei der Fragebogenkonstruktion zur Evaluation der Tools bestand darin, ein quantitatives wie qualitatives Bild hinsichtlich der Zufriedenheit mit diesen zu erhalten. Hierfür habe ich 34 Items entwickelt, die möglich alle Subfacetten zur Erfassung des Umganges mit den Tools abdecken sollten. Es wurden sowohl verhaltensorientierte „Moodle Wiki hat mir geholfen, Themen noch einmal nachzulesen.“ wie auch kognitionsbasierte „Mir hat Moodle Wiki gefallen“ Aussagen gewählt. Dabei wurde auf tatsächliche Sachverhalte zurückgegriffen, die ein gewisses Maß an „Alltäglichkeit“ beinhalten, da hypothetische Situationen abhängig von subjektiven Einschätzungen machen (Rost, 2004). Bei der Konstruktion habe ich mich darum bemüht, kognitions- und kommunikationspsychologische Aspekte zu berücksichtigen. Auf Basis dieser wurden die finalen Items selektiert. Im Folgenden werde ich nun näher auf meine Vorgehensweise bei der Formulierung der Items, auf das Itemformat sowie die Selektion der Items eingehen.

4.1 Formulierung der Items

Bei der Formulierung der Items spielt die Zielgruppe eine wichtige Rolle. In diesem Fall habe ich jedoch das große Glück eine recht homogene Gruppe an Psychologiestudenten befragen zu dürfen. In anderen Fällen z.B. bei der Befragung von Kindern muss unter Umständen eine Umformulierung der Items erfolgen.

Insgesamt habe ich darauf geachtet, dass die Aussagen möglichst einfach und damit gut verständlich formuliert sind. Vermieden habe ich insbesondere ungebräuchliche Begriffe oder Fremdwörter. Ferner habe ich auf syntaktischer Ebene darauf geachtet keine langen und verschachtelten Sätze mit ungewöhnlicher Satzkonstruktion zu verwenden. Auch habe ich von überfrachteten Sätzen, also Formulierungen die mehr als einen Aspekt beinhalteten, abgesehen.

4.2 Itemformat

Neben der Formulierung spielte das Antwort- und Frageformat auch eine wichtige Rolle bei der Konstruktion. Bei der Entscheidung über den genauen Fragetypen habe ich mich etwas schwer getan, da ich ein hohes Neugierdemotiv habe 😉 und möglichst viel über die Nutzung und Zufriedenheit mit den Tools herausfinden wollte. Aus diesem Grund fiel die Wahl auf ein geschlossenes bzw. gebundenes und ein offenes Format. Die Kombination dieser beiden Fragetypen bot sich an, da so an gegebenen Stellen zusätzliche Informationen zum Nutzunsgverhalten erfasst werden konnten. Beispielsweise ließ sich so ermitteln warum bestimmte Tools gar nicht genutzt wurden. Geschlossene Fragen haben natürlich gegenüber offenen Formaten den Vorteil einer höheren Ökonomie bei der Auswertung, da „der Prozess der Signierung, also die Einordnung der [offenen] Itemantwort in Verhaltenskategorien, entfällt“ (Rost, 2004, S. 59). Zudem verkürzt sich die Bearbeitungszeit (Bühner, 2004), was weiterhin die Ökonomie fördert und die Teilnahmebereitschaft der Probanden erhöht. Wie bereits Eingangs erwähnt habe ich hier jedoch Masterstudierende der Psychologe befragt, welche über eine extrem hohe Teilnahmebereitschaft wie auch Motivation zur ausführlichen Beantwortung offenen Fragen verfügen 😉

Neben dem Fragetyp musste, wie Eingangs bereits erwähnt auch das Antwortformat festgelegt werden. Wichtig ist zu überlegen, welche Interpretation später mit dem Testergebnis möglich sein soll. Im folgenden Absatz gehe ich etwas genauer auf meine Hintergrundüberlegungen zu der Skala ein.

4.2.1 Skala

Bei meinem Fragebogen habe ich mich für eine Ratingskala entschieden. Die große Beliebtheit von Ratingskalen in der Psychologie und den Sozialwissenschaften liegt u.a. darin, dass sie vergleichsweise direkt quantitative Daten liefern und durch die Unterteilung der Merkmalsausprägung in gleich große Abschnitte das Vorliegen eines datenanalytisch günstigen Skalenniveaus nahelegen (des Intervallskalenniveaus). Nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, dass die Annahme des Intervallskalenniveaus durchaus kritisch zu betrachten ist.

Ratingskalen können verschiedene Benennungen ihrer Kategorien bzw. Abstufungen (z.B. trifft zu bis trifft nicht zu/ sehr gut- sehr schlecht) aufweisen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie aus mehr als zwei Antwortkategorien bestehen und damit eine quantitative Beurteilung einer Merkmalsausprägung ermöglichen sollen. Vor der Konstruktion der Ratingskala muss festgelegt werden, wie differenziert die Antwortkategorien abgestuft werden sollen (Bühner, 2004). Ich habe mich für eine 6-stufige Abstufung entschieden. Obwohl bei einer geraden Anzahl an Antwortstufen häufig kritisiert wird, dass sie den Probanden zu einer Tendenz in eine Richtung zwingen, so erschien mir dieser Nachteil nicht so gravierend wie der Nachteil, welcher bei einer ungeraden Anzahl an Stufen entsteht- nämlich der Tendenz zur Mitte.  Laut Rost (2004) hat sich „in vielen Untersuchungen […] die Verwendung einer mittleren, neutralen Kategorie als ungünstig erwiesen“ (S.67). Die mittlere, neutrale Kategorie stellt oftmals nicht die wahre Einschätzung der Person, sondern vielmehr Unmut oder Ratlosigkeit hinsichtlich des gesamten Items dar (Bühner, 2004). Bei dem von mir gewählten 6-stufigen Format haben die Umfrageteilnehmer genug Differenzierungsmöglichkeiten in ihren Antworten und sind gleichzeitig nicht mit dem Differenzierungsgrad überfordert (Bühner, 2004).

In dem Fragebogen entstand somit folgendes Antwortformat:

Trifft gar nicht zu Trifft nicht zu Trifft eher nicht zu Trifft eher zu Trifft zu Trifft voll und ganz zu

Jedes Item sollte anhand dieser bipolaren, verbalen Skala eingeschätzt werden. Verbale Marken haben den Vorteil der leichteren Verständlichkeit. Zudem führt „eine Benennung jeder Stufe bei einer Ratingskala zu Verbesserungen der Reliabilität und Validität“ (Bühner, 2004, S.51).

4.3 Einflussfaktoren auf die Antworttendenzen

Antworttendenzen und nachlassende Motivation gehören zu den gravierendsten Methodenproblemen des Fragebogenverfahrens. Aus diesem Grund werde ich im Folgenden auf die Antworttendenz „soziale Erwünschtheit“ und die Motivation eingehen.

Man spricht von sozialer Erwünschtheit, wenn „die untersuchte Person darum bemüht ist, sich so darzustellen, wie es den (angenommenen) Erwartungen und Normen der Gruppe entspricht, die von ihrem Testergebnis erfährt. Bei dieser speziellen Form der Selbstdarstellung geht es also darum, die Anerkennung durch andere sicherzustellen“ (Mummendey, 1981, S. 200). Antwortet eine Person normkonform, bildet das Ergebnis des Fragebogens nicht die „wahre Einstellung“ dieser Person ab, sondern stellt lediglich die erwarteten Normen der Person dar. Daher sollten Maßnahmen ergriffen werden, um diese Einflüsse zu eliminieren oder zumindest zu reduzieren. Mummendey (1981) nennt zum Beispiel „Kontrolle durch Itemkonstruktion, Kontrolle durch Antwortkombination, Kontrolle durch spezielle Kontrollskalen [und] Kontrolle durch Instruktion“ (S.205).  Bei dem vorliegenden Fragebogen habe ich die Methode der Kontrolle durch Instruktion sowie Kontrolle durch Antwortkombination gewählt. Alle Teilnehmer wurden vor der Durchführung der Online Befragung darauf hingewiesen, dass die Daten absolut anonym erfasst werden und so nicht die Gefahr der Rückführbarkeit auf einzelne Seminarteilnehmer besteht.  Die Kontrolle durch Antwortkombination erfolgte durch Items wie z.B. „Moodle Wiki hat mir geholfen Themen noch einmal nachzulesen“  und „ich habe Moodle Wiki, a)wöchentlich, b) alle 2-3 Wochen, c) maximal monatlich, d) überhaupt nicht genutzt“. Personen die der ersten Aussagen zustimmen, sollten auch bei der später folgenden Frage a, b oder c) als Antwortmöglichkeit auswählen.

Neben der sozialen Erwünschtheit beeinflusst jedoch auch die Motivation die Genauigkeit der Itembeantwortung. Die Motivation insgesamt kann sich während der Beantwortung des Fragebogens ändern. Die Motivation, ein einzelnes Item korrekt zu beantworten kann wiederrum auch von den Testeigenschaften abhängen. Je komplexer die Items formuliert sind und je länger der Test dauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Motivation der Probanden abnimmt. Aus diesem Grund habe ich bei der Itemformulierung auf weniger komplexe Items geachtet.

5. Ergebnisse der Online Befragung

Über alle Tools hinweg zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass das Kennenlernen der Tools zwar interessant war, die große Auswahl bzw. die simultane Nutzung all dieser Tools jedoch als nicht angemessen, bzw. als zu aufwendig angesehen wurde. Dies lässt sich größtenteils auch mit dem extrem großen Arbeitsaufwand im ersten Mastersemester erklären. Jede zusätzliche Belastung, auch in Form einer zu großen Medienauswahl, wird dann unter Umständen als Stressor empfunden. Vor diesem Hintergrund sollten die Ergebnisse auch bewertet werden.

Der hohe Workload des ersten Mastersemesters kann auch als ein Erklärungsansatz für die relativ niedrige Responserate, 46,7%, herangezogen werden.

5.1 Moodle Wiki

Moodle Wiki ist von allen eingesetzten Tools jenes, welches die größte Akzeptanz bei den Studenten gefunden hat, auch wenn es auf Grund der gleichzeitigen Verwendung des WordPress Blogs zu Missverständnissen hinsichtlich des Zweckes kam. MoodleWiki sollte eigentlich als Austauschplattform genutzt werden, um dort vor dem eigentlichen Referat die Inhalte vorzustellen und so ggf. noch Rückmeldungen von den Kommilitonen zu erhalten.  Solch ein Austausch hat jedoch fast nicht stattgefunden und die dort hochgeladenen Artikel waren beinahe identisch mit den Blogartikeln.

Was den Umgang bzw. Usabilty von WikiMoodle betrifft, so sind die Studierenden recht zufrieden. Ein Großteil stimmte der Aussage zu, dass MoodleWiki ohne langes Einarbeiten zu bedienen war und die Bedienung entsprechend auch leicht gefallen ist. Insgesamt hat MoodleWiki zwar keine absolute Begeisterung bei den Studierenden verursacht, aber es hat ihnen dennoch relativ gut gefallen.

Abb.1 Zufriedenheit mit MoodleWiki

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Eine weitere Tatsache, die die Annahme der nicht zweckverstandenen Nutzung unterstützt, ist die Tatsache, dass keiner der Studierenden MoodleWiki wöchentlich genutzt hat. Dies hätte jedoch der Fall sein müssen, wenn man sich mit Hilfe von MoodleWiki über die Referate informiert und den Referierenden Rückmeldung gegeben hätte.

Abb. 2 Nutzung MoodleWiki

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Mehrfach wurden als Gründe für die Nichtnutzung das hohe Arbeitspensum des ersten Mastersemesters sowie die zu langen Texte angeführt. Entsprechend ist es auch nicht überraschend, dass mehr als zwei Drittel der Befragten MoodleWiki in anderen Seminaren gar nicht oder nur unter bestimmten Umständen nutzen möchten.

Von den Studierenden wurden unterschiedliche Ansätze geäußert um die Nutzungsrate zu erhöhen. So sollte MoodleWiki zum einen intuitiver zu bedienen sein und die Ebenenbildung beim Schreiben erleichtert werden. Zudem wurde das Interface als langweilig beschrieben, welches nicht zur Nutzung ermuntert. Die Integration eines Abstimmungstools wurde als sinnvoll erachtet.

5.2 WordPress Blog

Insgesamt, über alle Dimensionen hinweg gemittelt, schneidet der WordPress Blog relativ schlecht ab. Die Studierenden stimmen der Aussage nicht zu, dass der WordPress Blog leicht zu bedienen gewesen sei. Ebenso hat ihnen die Nutzung dieses Blogs eher nicht gefallen. Datenschutzaspekte wurden zwar durchaus geäußert, generelle Bedenken wegen der Veröffentlichung eines Artikels auf einen Blog bestanden aber nicht.

Abb. 3 Zufriedenheit WordPressBlog

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Das Nutzungsverhalten ist ähnlich wie bei MoodleWiki. Fast ein Drittel hat den Blog bis auf den Eintrag gar nicht genutzt und über 60% haben sich lediglich monatlich den Blog angeschaut bzw. durchgelesen.

Abb. 4 Nutzung MoodleWiki

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Die Gründe liegen primär in der inhaltlichen Überschneidung mit MoodleWiki und der insgesamt relativ unübersichtlichen Darstellung. Entsprechend wird auch die Nutzung eines Blogs im Rahmen anderer Seminare eher abgelehnt (45% nein, 46% es kommt darauf an). Insgesamt ist die private Nutzung von Blogs auch noch ziemlich verhalten, nur 8,3% der Befragten schreiben einen Blog und 33,3% lesen einen. Da also anzunehmen ist, dass das generelle Interesse an Blogs eher niedrig ist, erstaunt auch nicht die Tatsache, dass nur 25% der Befragten unseren Blog Freunden oder der Familie empfohlen hat. Abschließend sollte trotzdem festgehalten werden, dass einige Befragte den Versuch einen Blog als Unterrichtstool einzusetzen durchaus positiv bewerten und dies auch als spannende Alternative zu der herkömmlichen Hausarbeit sehen.

5.3 Twitter

Twitter ist tod, zumindest in unserem Seminar. Die Befragten haben Twitter weder dazu genutzt Fragen zu stellen, noch sich in irgendeiner Form auszutauschen (82% haben Twitter überhaupt nicht genutzt, 9% alle 2-3 Wochen und 9% maximal monatlich). Insgesamt hat ihnen das Tool nicht gefallen. Zurückzuführen ist dies weder auf datenschutzrechtliche Einwände, diese waren nämlich bei allen Tools sehr gering, noch auf Probleme bei der Bedienung. Vielmehr manifestiert sich der Eindruck, dass die Befragten Twitter auch nicht privat nutzten, also weder zum tweeten noch um jemanden auf Twitter zu folgen.

Abb.5 Zufriedenheit Twitter

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Da also privat schon keine Nutzung des Tools vorliegt, ergab sich für alle Befragten auch kein Grund dies nun im universitären Kontext zu nutzen. Der Vorschlag Twitter zu nutzen um zu den gehaltenen Referaten Fragen zu tweeten wurde von den Befragten abgelehnt, da dies „zu künstlich sei“ und die Anzahl der erlaubten Zeichen auch zu gering. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass Twitter nicht das bevorzugte Tool von Psychologiestudenten ist ;). Hier wäre es sicherlich spannend herauszufinden, ob z.B. bei einer bestimmten charakterlichen Disposition die Wahrscheinlichkeit höher ist Twitter zu nutzen. Soviel wurde auf jeden Fall schon herausgefunden, der typische Twitter Nutzer ist weiblich, hat hispanische Wurzeln, ist um die 20 Jahre alt, verfügt über einen College Abschluss, lebt in einer Stadt und verdient zwischen
30 000 und 50 000 Dollar. Wer mehr facts haben möchte, kann sich die folgende Seite anschauen http://blog.buysellads.com/2011/the-who-why-and-how-of-twitter/?view=infographic

5.4 Bewertung der Tool Kombination

Insgesamt wurde die Kombination aus MoodleWiki, WordPressBlog und Twitter als „eher nicht angemessen“ bewertet. Die Gründe hierfür denke ich wurden ausreichend in den vorherigen Abschnitten dargestellt (umfangreiches Programm im erste Mastersemester, schlechte Usability etc.). Die Menge an Tools und die teilweise inhaltliche Überschneidung hat zu einem leichten Gefühl der Überforderung bei den Befragten geführt. Dieses Gefühl bestand nicht nur zu Beginn des Seminars, sondern herrscht immer noch in leicht abgeschwächter Form vor.

Abb.6 Bewertung der Tool Kombination

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Für zukünftige Seminare wäre es eventuell sinnvoll weniger Tools einzusetzen, ihren Zweck deutlicher hervorzuheben und insgesamt zur Nutzung dieser mehr zu motivieren. Vorschläge wie auf moodleWiki nur kurze Videos oder Ausschnitte aus Papern, die für das Referat inhaltlich relevant sind, zu veröffentlichen erachte ich als absolut sinnvoll. So würde sich auch die inhaltliche Überschneidung von WordPress Blog und MoodleWiki erübrigen. Auch wäre es vielleicht sinnvoller gewesen den Blog zur Veröffentlichung unserer Prototypen zu verwenden, da hieran ein höheres allgemeines Interesse bestehen könnte. Insgesamt sind die Blogeinträge wahrscheinlich zu lang als das jemand Interesse hätte diese komplett durchzulesen. Für die Zukunft sollte dann also das Motto gelten, „In der Kürze liegt die Würze“ (-> Inhalt) und „weniger ist mehr“ (->Tool bezogen). In diesem Sinne beende ich nun meinen Eintrag und hoffe ihr konntet etwas sinnvolles daraus ziehen.

Literatur

Bühner, M. (2004). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion. München: Pearson Studium.

DeBono, E. (1989). Das Sechsfarben-Denken. Ein neues Trainingsmodell. Düsseldorf: Econ Verlag.

Grünstäudl, M (2013). Das Geheimnis der erfolgreichsten Blogger der Welt. Retrieved January, 24, 2014, from http://1001erfolgsgeheimnisse.com/2013/04/25/geheimnisse-der-erfolgreichsten-blogger-der-welt/

Mummendey, H. D. (1981). Methoden und Probleme der Kontrolle sozialer Erwünschtheit (Social Desirability). Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 2(3),199-218.

Pfeiffer, T. (2011). Erstmals mehr als eine halbe Million aktive Twitteraccounts. Retrieved January 24, 2014, from http://webevangelisten.de/erstmals-mehr-als-eine-halbe-million-aktive-twitteraccounts/

Reichelt, L. (2007). Ambient Intimacy. Retrieved January 24, 2014 from  http://www.disambiguity.com/ambient-intimacy/

Rost, J. (2004). Testtheorie- Testkonstruktion (2., neu bearbeitete Aufl.). Bern: Hans Huber Verlag.

Taylor, C (2011). Twitter has 100 million active users. Retrieved January 24, 2014 from Mashable.com/2011/09/09/twitter-has-100-million-active-users/

Wikipedia (2014). Blog. Retrieved January 24, 2014 from http://de.wikipedia.org/wiki/Blog


[1] Zur Vereinfachung der Darstellung wird im Weiteren die weibliche Form i. A. unterschlagen; in jedem Fall ist dabei jedoch implizit auch die entsprechende weibliche Person gemeint.

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