Schreiben

Der Schreibvorgang dient dazu, Ideen, Wissen oder Informationen zu externalisieren. In eine Schriftform gefasst, können diese festgehalten, gespeichert und weitergegeben werden. Das Schreiben selbst wird durch verschiedene Schreibwerkzeuge ermöglicht (von Stift und Papier bis hin zum Computer) und mittlerweile auch durch verschiedene Denkwerkzeuge wie die Textverarbeitungsprogramme (Word, OpenOffice Writer, LaTex) unterstützt.

Schreiben: Inhalt und Form

Bevor man konkrete Inhalte festlegt und mit dem Schreiben beginnt, sollte man sich Folgendes genau überlegen:

  • Was will ich mit dem schriftlichen Beitrag erreichen (Schreibziel)?
  • An welche Personen will ich meinen schriftlichen Beitrag richten bzw. welche Personen will ich mit ihm erreichen (Zielgruppe)?

Diese Überlegungen sind wichtig nicht nur dafür „Was geschrieben wird“ (Inhalt), sondern auch dafür „Wie geschrieben wird“ (Form). Sowohl Inhalt als auch Form sind für die Qualität des Schriftstücks verantwortlich.

Form umfasst:

  • Sprache: Stil, Formulierungen, Bezeichnungen etc.

Zwei Tipps zur Sprache (Karmasin & Ribing, 2011)

  1. „Thesaurus“-Funktion in Textverarbeitungsprogrammen schlägt zu den eingegebenen Wörtern entsprechende verwandte Begriffe vor. Damit können die Wortwiederholungen in Texten vermieden werden. Z. B.:  In MS Word schlägt der Thesaurus (aufrufbar über das Menu „Überprüfen“) für das Wort „Anerkennung“ folgende bedeutungsverwandte Begriffe vor: Bestätigung, Auszeichnung, Ansehen, Lob, Bewunderung, Applaus, Anklang, Respekt, Beliebtheit, Hochachtung, Wertschätzung, Ehrung, Belobigung, Würdigung, Zustimmung, Erkenntlichkeit etc.
  2. Häufig sind die wissenschaftlichen Texte mit Dass-Sätzen überfrachtet. Diese Sätze wirken sehr umständlich. Oft lässt sich eine Dass-Konstruktion vermeiden, wenn der einleitende Satzteil auf ein einziges Wort reduziert wird. Z. B.: „Es ist bekannt, dass…“ ersetzbar durch „Bekanntlich…“
  • Layout- und Design: Seitengestaltung, Gliederung, Schrift, Farbe etc.

Schriftarten (Sensik, 2012; Sensik 1999)

  • Als Serife bezeichnet man die (mehr oder weniger) feinen Linien, die einen Buchstabenstrich am Ende, quer zu seiner Grundrichtung, abschließen. Schriften mit Serifen wie Times New Roman weisen meistens auch unterschiedliche Schriftstärken auf. Für größere Textmengen, etwa in Zeitungen und Büchern, werden meistens Schriftarten mit Serifen verwendet, weil Sie als lesefreundlicher gelten.
    KehlungBuchstabe mit Serife
  • Serifenlose Schriften wie Arial werden eher bei weniger umfangreichen Textblöcken und für die Überschriften eingesetzt. Auch längere Texte auf Bildschirmen (mit entsprechend kleinen Buchstaben) ermüden beim Lesen weniger, wenn eine serifenlose Schrift gewählt wird, als wenn versucht wird, unterhalb der eigentlichen Bildschirmauflösung verschwommene Serifen darzustellen.
  • Darstellungsformen: Text,Tabelle, Bild, Diagramm etc.

Einige Funktionen von Bildern im Schriftstück (adaptiert nach Moser & Holzwarth, 2011)

  • Illustration
  • Zugang zu historischen Phänomenen
  • Visuelle Zusammenfassung eines Sachverhaltes bzw. einer Idee
  • Orientierungshilfe
  • Motivierung- und Emotionalisierung
  • Visuelle Verankerung
  • Hilfe zur Komplexitätsreduktion
  • Zugang zu Phänomenen, die dem Auge nicht zugänglich sind
  • Dokument oder Beweis

Ein Bild sagt manchmal mehr als 1000 Worte!

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Die Form ist entscheidend, wenn  die Funktionalität, die Ästhetik und die Ökonomie des Schriftstücks beurteilt werden.“Guter Inhalt“ in einer „schlechten Form“ kann stark die Brauchbarkeit (usability) des Schriftstücks beeinflussen. Andersrum warnt Sinsek (2012): „Eine Inhaltlich dürftige Arbeit  gewinnt nicht etwa durch eine aufwändige formale Gestaltung; vielmehr wird inhaltliche Armut durch die Diskrepanz noch auffälliger.“ Daher muss Inhalt und Form in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Im Wissenschaftsbereich wird die Form des Schreibens oft durch verschiedene Style Guides bzw. Gestaltungsrichtlinien vorgeschrieben. Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Style_guide) schlägt folgende Definition für Style Guide vor:

“A style guide or style manual is a set of standards for the writing and design of documents, either for general use or for a specific publication, organization or field. The implementation of a style guide provides uniformity in style and formatting within a document and across multiple documents.”

Ein paar wichtige Style guides für wissenschaftliche Schriftstücke:

Für wissenschaftliche Arbeiten in der Psychologie sind folgende Style Guides von Bedeutung:

  • APA style
  • Richtlinien für Manuskriptgestaltung (von DGPs)

Schreiben: Denkwerkzeuge

Das Schreiben selbst wird erst durch verschiedene Schreibwerkzeuge bzw. -geräte sowie Schreibmaterialien ermöglicht. Diese wurden in der menschlichen Geschichte immer weiter entwickelt, verbessert und den menschlichen Bedürfnissen angepasst: Von Griffel und Wachstafeln über Federstifte und Papier, Druckmaschine, Schreibmaschine bis hin zum Computer.

Besonders in dem letzten Jahrhundert ist ein großer Sprung in der Entwicklung der Schreibtechnologien zu beobachten. Obwohl die Entwicklung der Schreibmaschine bereits ein großer Fortschritt war, hat das Schreiben erst mit dem Computer und der immer komplexer werdenden Software eine andere Dimension erreicht. Dies macht auch das folgende Beispiel deutlich.

Bericht eines Professors, der in der 1970er -Jahren promovierte:

„Meine Dissertation habe ich noch Wort für Wort auf einer Schreibmaschine getippt. Begonnen habe ich damit, dass ich die einzelnen Kapitel handschriftlich entworfen habe – die Korrekturen fanden ebenfalls auf dem handschriftlichen Manuskript statt –, wobei nach mehrfachem Überschreiben einzelne Passagen kaum lesbar waren. Diese habe ich dann zweites Mal geschrieben. Erst wenn alles korrekt war, bin ich an die Abschrift gegangen. Und natürlich habe ich mich dann auch immer wieder vertippt –um mit Tipp-Ex Buchstaben und Wörter zu überstreichen und erneut zu tippen. Das war eine mühselige Arbeit, und ich habe manchmal geflucht, wenn die Korrekturen zu wenig bündig mit der übrigen Zeile waren. Das hieß dann, die ganze Seite nochmals abzutippen. Und natürlich hat man am Emde bei Korrekturlesen doch noch Absätze gefunden, die zu wenig präzise oder schlecht formuliert waren. Dann ging‘s mit Schere und Kleister weiter, um neu gestaltete Seite zusammenzuflicken. Gott sei Dank gab’s zu meiner Zeit wenigstens schon die Kopierer.“ Übernommen aus Moser und Holzwarth (2011).

Die gegenwärtigen Computerprogramme zur Bearbeitung von Texten stellen die modernen Denkwerkzeuge im Bereich des Schreibens dar. Mittlerweile gibt es eine Unmenge von solchen Programmen und es kommen kontinuierlich neue hinzu. Dies macht die Auswahl eines passenden Programms nicht leichter. Aus diesem Grund ist es zunächst nützlich, sich einen groben Überblick über verschiedene Programme zur Textbearbeitung und deren Klassifikation zu verschaffen.

Tabelle 1.: Beispiele für Klassifikationen von Computerprogrammen zur schriftlichen Bearbeitung von Texten.

Betriebssystem

für Windows MS Word, WordPad Viele Programme zur schriftlichen Bearbeitung von Texten sind mittlerweile für verschiedene Betriebssysteme angepasst worden (wie z. B. MS Word).
für Mac OS Mellel, Pages
für Unix/Linux SoftMaker

Kosten

Kostenlos AbiWord, LaTex, OpenOffice Writer  Die kostenpflichtigen Programme können wiederum in unterschiedliche Preisstufen unterteilt werden: Von kostengünstigen bis teuren Programmen.
Kostenpflichtig MS Word, WordPerfekt, Papyrus 

Arbeitsprinzip

WYSIWYG MS Word, OpenOffice Writer, Pages, Mellel, AbiWord, WordPerfect What You See Is What You Get: Ein Text wird während der Bearbeitung am Bildschirm genauso angezeigt, wie es bei der Ausgabe über ein anderes Gerät, z. B. einem Drucker, aussieht.
WYSIWYM LaTex What You See Is What You Mean: Programm stellt den Text am Bildschirm so dar, dass daraus hervorgeht, welchen Zweck eine Formatierung erfüllen soll, z. B. Aufzählung, Kapitelüberschrift, Liste

Layout und Formatierung

Textverarbeitungsprogramme¹ MS Word, Pages, AbiWord, LaTex, OpenOffice Writer  Ein Texteditor bietet im Gegensatz zu einem Textverarbeitungssystem in der Regel nur sehr eingeschränkte Layout- Formatierungsfunktionen an und speichert den Text als reinen ASCII-Text (oder UTF-8-Text) ab.
Texteditoren² Windows  Editor, vi, TextEdit

¹Ausfürliche Liste von Textverarbeitungsprogrammen:http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Textverarbeitungsprogrammen
²Ausfürliche Liste von Texteditoren: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Texteditoren

Besonders hilfreich bei der Auswahl einer Software zur Textbearbeitung ist die Aufstellung der (eigenen) Auswahlkriterien. Mit Hilfe solcher Kriterien kann verschiedene Textsoftware sowie die Schreibsituation und der Schreibende selbst beurteilt und bewertet werden.

Tabelle 2.: Beispielhafte Kriterien für die Auswahl eines Computerprogramms zur schriftlichen Bearbeitung von Texten.

Programmbezogene Kriterien

  • Funktionalität (Was kann das Programm?)

u.a.
–   Erstellung und Integration verschiedener Textbausteine (Text, Tabelle, Bild)
–   Rechtschreibkorrektur
–   Komptabilität mit verschiedenen Dateiformaten (z. B. PDF, RTF)

  • Bedienbarkeit (Wie schwer/leicht ist das Programm zu bedienen?)
  • Verfügbarkeit (Wo habe ich einen Zugang zu dem Programm?)
  • Kosten (Was kostet das Programm?)

Situations- und personenbezogene Kriterien

  • Schreibziele und Schreibbedürfnisse

Z. B.
–   Gelegentliches Schreiben
–   Schreiben im Büro-Alltag
–   Akademisches Schreiben
–   Technisches Schreiben
–   Kreatives Schreiben

  • Persönliche Software-Skills und -Kompetenzen

Um zu entscheiden, was „das beste Textverarbeitungsprogramm“ in einem konkreten Fall ist, sollten mehrere Kriterien gleichzeitig berücksichtig werden. Vor allem auch deshalb, weil sie mit einander stark verknüpft sind. So werden zum Beispiel in verschiedenen Schreibsituationen jeweils unterschiedliche Funktionen zur Textverarbeitung nötig sein. Das Ausmaß der Funktionalität eines Programms wirkt sich wiederum auf dessen Bedienbarkeit aus. In der Regel gilt: Je komplexer die Funktionen, desto komplexer die Bedienbarkeit.

Wichtig ist: Die Textverarbeitungsprogramme als Denkwerkzeuge sind vor allem dafür da, das Schreiben zu erleichtern und nicht zu erschweren! Wenn der Einsatz und die Benutzung eines Programms höhere Hürden darstellen als das Schreiben selbst, sollte überlegt werden, ob das Programm im konkreten Fall wirklich das passende ist.

Schreiben als Prozess

Schreiben ist natürlich viel mehr als nur das Zusammenführen von Inhalt und Form und Auswahl eines passenden Hilfswerkzeuges. Schreiben ist ein „krisenhaft“ verlaufender problemorientierter und problemlösender Prozess, dessen Produkt ein geschriebener Text ist.

Schreiben als Prozess läuft verschiedene Phasen durch. Diese Phasen können je nach Schreibziel etwas unterschiedlich sein. Jedoch lässt sich jeder Schreibprozess in die Phasen des Planens, Formulierens und Überarbeitens gliedern.

Tabelle 3.: Schreibphasen

Plannung Formulierung Überarbeitung
Impuls erhalten, vorhaben, zweifeln, auswählen, plannen, erkunden, Material sammeln, ordenen schreiben, verwerfen, überdenken reflektieren, schreiben, überarbeiten

Abbildung 1.: Schreibphasen und Schreibprozess nach Bräuer (1998)

schreibprozess_nach_braeuer_1998_s20

Weiterhin wird der Schreibprozess durch den individuellen Schreibtyp, die gewählte Schreibstrategie und Schreibtechniken beeinflusst. Mehr darüber kann in dem Wikipedia-Artikel nachgelesen werden.

Eine interessante und nützliche Schreibtechnik, besonders im Bereich des Planens, stellt das Mind-Mapping dar. Eine Mind map soll Gedanken und Ihre Zusammenhänge in einer anschaulicheren Form bringen, welche den Umgang mit Ideen und Konzepten erleichtern. Dabei geht es darum, die Ideen zu notieren und zu assoziieren; dann werden im nächsten Schritt die aufgezeichneten Ideen organisiert und optimiert (Moser & Holzwarth, 2011). Mind maps können auf Papier oder aber auch mit Hilfe eines Programms, wie z.B. der Opensource-Software XMind erstellt werden.

Es gibt auch Denkwerkzeuge, die nicht nur die Planungsphase, sondern den ganze Schreibprozess unterstützen. Z. B. die Software Scriviner.

Die moderne Schreibtechnik hat den Schreibprozess deutlich geprägt: Das Schreiben verändert sich von einem kontinuierlichen zu einem diskontinuierlichen Prozess.Wie Mozer und Holzwarth (2011) bemerken:

„Autoren glichen früher Architekten, die vom Fundament her ihr Bauwerk schrittweise errichteten. Sie durften natürlich keine Steine im Kellergeschoss später rausnehmen, wenn das Gebäude nicht einstürzen sollte. Der heutige Autor dagegen gleicht eher einem Puzzlespieler, der einzelne Teile nimmt und diese zu einem Ganzen fügt. Da kann man probeweise ein Teilchen einmal einfügen und überprüfen, ob es an dieser Stelle passt.

Fazit

Beim Schreiben sind sowohl „Inhalt“ als auch „Form“ entscheidend für die Qualität des Schriftstücks. Sie sollten in einem angemessenen Verhältnis zu einander stehen.

Heutzutage kann das Schreiben durch viele verschiedene moderne Denkwerkzeuge – Software zur Textbearbeitung – unterschützt werden. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl einer Software: Sie soll das Schreiben erleichtern und nicht erschweren.

„Das Aufschreiben“ ist nur ein Teil des Schreibprozesses. Das Schreiben muss meistens zunächst geplant, dann durchgeführt und letztendlich noch revidiert werden. Der kognitiv anstrengende Schreibprozess kann mittlerweile auch durch verschiedene Denkwerkzeuge unterstützt werden.

Literaturverzeichnis

Bräuer, G. (1998). Schreibend lernen. Grundlagen einer theoretischen und praktischen Schreibpädagogik. Innsbruck: Studienverlag.

Karamasin, M & Ribing, R. (2011). Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten: Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen. (6. Auflage). Wien: Facultas.

Moser, H. & Holzwarth, P. (2011). Mit Medien arbeiten. Konstanz: UVK.

Sensink, W. (1999). Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten mit und ohne PC. (4. Auflage). München: Oldenburg Verlag.

Sensik, W. (2012). Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten inklusive E-Learning, Web-Recherche, digitale Präsentation u.a. (9. Auflage). München: Oldenburg Verlag.

Weitere nützliche Literatur zum Thema „Schreiben“

Baurmann, J . & Weingarten, R. (Hrsg.) (1995). Schreiben: Prozesse, Prozeduren und Produkte.Opladen: Westdeutscher Verlag.

Gerd, A. (1995). Schreiben. Heidelberg: Julius Groos Verlag.

Rico, G.L. (1994). Garantiert schreiben lernen: Sprachliche Kreativität methodisch entwickeln – ein Intensivkurs auf die Grundlage der modernen Gehirnforschung. Reinbeck: Rowohlt.

Seitfudem, G., Prinz, F., Goldberg, A. & Raps, P. (1999). Professionell schreiben: Praktische Tipps für alle, die Texte verfassen: Rechtsschreibung, Stilmittel, Layout, Arbeitstechniken und vieles mehr. (2. Auflage). Erlangen: Publicis MCD Verlag.

Strunk, W. & White, E.B. (2000). The Elements of Style (4th  Edition). New York: Longman.

Zinsser, W. (2006). On Writing Well (30th Edition ). New York: Collins.

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