Veröffentlichen

Persönliche geistige Schöpfungen in Literatur, Wissenschaft und Kunst, können der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, indem man diese publiziert. Gerade in der Wissenschaft, ist es in häufigen Fällen obere Priorität eine Forschungsarbeit nach dem Verfassen auch zu veröffentlichen, aber auch in den anderen Bereichen ist es in der Regel das Ziel, die kreierten Inhalte einem Publikum zu präsentieren.                                                                                    Hier soll im Folgenden ein kurzer Überblick über die Beweggründe einer Veröffentlichung, die verschiedenen Veröffentlichungswege und die Unterschiede zwischen wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Publikation gegeben werden.

Will man wissenschaftlich veröffentlichen, unterscheiden sich die Veröffentlichungsprozesse als auch die Veröffentlichungsorte von denen einer unwissenschaftlichen Veröffentlichung.

Wo kann man veröffentlichen?

Im Wissenschaftsbereich unterscheidet man vier maßgebliche Formen der Veröffentlichung:

Monografie: Diese ist eine sehr umfangreiche Publikation, welche in der Regel einen Problembereich ganzheitlich und strukturiert abhandelt. Die Begriffsabgrenzung zum Lehrbuch ist nicht ganz eindeutig. Jedoch werden Monografien mehr für Kollegen als für Studierende verfasst.

Fachzeitschrift: Artikel in einer Fachzeitschrift sind wesentlich kürzer als eine Monografie und präsentieren einen Sachverhalt und damit neue Forschungsergebnisse dem Fachpublikum. Die Artikel die in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden, sind zumeist einer Qualitätskontrolle, dem Peer-Review, unterzogen. Dieser Prozess wird in einem späteren Abschnitt noch einmal näher erläutert.

Tagungsband: Veröffentlichungen in einem Tagungsband sind ähnlich umfangreich, wie Artikel in Fachzeitschriften, unterliegen aber weniger aufwendigen Qualitätskontrollen, da diese zu einem festgelegten Termin veröffentlicht werden, sind aber dadurch meist noch viel aktueller.

Sammelband: Ebenfalls ähnlich vom Umfang wie Artikel aus Fachzeitschriften, sind jene in einem Sammelband, wohingegen hier charakteristisch ist, dass die Artikel einen hohen thematischen Bezug zueinander aufweisen.

Für nichtwissenschaftliche textbasierte Veröffentlichungen können zahlreiche Programme und Dienste in Anspruch genommen werden. Heutzutage lässt vor allem das Internet mithilfe von Webdiensten und Social Media eine einfache und schnelle Veröffentlichung zu. Verwendung können unter anderem Microblogs, Blogs als auch E-Books finden. Mittlerweile gibt es Unmengen an Internetdiensten die es ermöglichen Inhalte zu veröffentlichen, einige davon werden im Verlauf noch näher erläutert.

Nachdem nun die Orte an welchen wissenschaftliche bzw. unwissenschaftliche Veröffentlichung möglich ist, knapp erläutert wurde, soll nun im Folgenden der Prozess der Wissenschaftlichen Veröffentlichung näher betrachtet werden.

Wissenschaftliches Publizieren    

Bevor nun der Prozess des wissenschaftlichen Publizierens näher beleuchtet wird, sollen vorab die Beweggründe für eine Veröffentlichung dargestellt werden. (Im nichtwissenschaftlichen Bereich sind die im Folgenden genannten Gründe für eine Veröffentlichung mehr oder weniger die Gleichen).

Dass es den Wissenschaftlern ein oberstes Ziel ist, ihre Arbeiten auch zu publizieren, ist den Meisten klar, jedoch gibt es dafür unterschiedliche Beweggründe.

Der erste, naheliegende Grund und ursprüngliche Zweck einer Veröffentlichung, ist es, die Ergebnisse der eigenen Forschungsarbeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft preiszugeben und damit zu Diskussionen und weiterer Forschung anzuregen.                                                                                                              Ein weiterer Grund ist oftmals um zu zeigen, dass man bestimmte Ergebnisse, vor anderen hatte. Diese Beweisführung ähnelt in Ansätzen dem Mechanismus der Patentierung. Weitere Gründe können auch die direkte monetäre Honorierung einer wissenschaftlichen Publikation sein. Oftmals wird aber nicht die Veröffentlichung an sich geldlich honoriert, sondern sind mit dieser indirekt die Vergabe von Forschungsgeldern und Anstellungen verknüpft. Hier dient eine Vielzahl von Veröffentlichungen also der Profilierung, welche im Nachhinein mit einer finanziellen Entlohnung verbunden sein kann. In bestimmten Fachbereichen ist es auch möglich, da auch die breite Öffentlichkeit an dem Thema interessiert ist, sich dieser durch Veröffentlichungen zu zeigen und Publicity zu erlangen. Dies kann somit auch mit ein Beweggrund für eine Veröffentlichung sein.

Nachdem nun die Beweggründe für das Veröffentlichen einer Arbeit im wissenschaftlichen Bereich genannt wurden, soll nun der Veröffentlichungsprozess als solcher näher betrachtet werden.

Veröffentlichungsprozess                                                                               Beginnend mit der Frage, woher die Artikel für eine Fachzeitschrift oder anderen Veröffentlichungsmedien überhaupt stammen, soll hier kurz der etablierte Ausdruck „Call for Papers“ erläutert werden. In einem „Call for Papers“ wird vorab einer Konferenz oder Veröffentlichung der Ausgabe einer Fachzeitschrift dazu aufgerufen Artikel einzureichen. Dies geschieht meist via Email, oder wird auf der entsprechenden Internetseite veröffentlicht. Hierbei wird der Themenbereich, die Formatanforderung, Einreichungsfrist und Einreichungsweg genannt, die eingehalten werden müssen um erscheinen zu können.

Wurden nun Artikel bei einer Fachzeitschrift eingereicht, muss der verantwortliche Zeitschriftenverleger entscheiden, welche Artikel in der Fachzeitschrift erscheinen sollen. Hierbei spielt vor allem die Qualität der Artikel eine entscheidende Rolle.

Um die Qualität der Artikel zu gewährleisten, wird in den meisten Fällen der sogenannte Peer Review Prozess eingesetzt, welcher im Folgenden beschrieben wird.

Peer Review Prozess                                                                                   Nachdem ein Autor seinen Artikel bei einer Fachzeitschrift eingereicht hat, wird der Artikel vom Verleger auf eine Eignung geprüft. Hält der Verantwortliche den Artikel für grundsätzlich geeignet, wählt dieser Gutachter aus, welche sich mit dem gleichen Fachgebiet beschäftigen wie der Autor, nicht aber aus dessen Umfeld stammen. Diese prüfen den Artikel und geben danach ein Votum ab, ob der Artikel sofort abgelehnt, direkt veröffentlicht, oder zur Überarbeitung an den Autoren zurückgeschickt werden soll. Anschließend wird der Artikel gegebenenfalls veröffentlicht. Die Gutachter, machen dies meist freiwillig und unentgeltlich. Die Anonymität der Gutachter ist nicht zwingend, in einigen Fällen aber gegeben. Sind sowohl Autor als auch Gutachter anonym, spricht man von einem Doppelblindgutachten.

Peer Review                                                              Abbildung 1: Peer Review Prozess

Jetzt haben wir also die Qualitätsüberprüfung der Artikel durch den Herausgeber einer Zeitschrift kennengelernt. Doch wie kann man nun die Qualität und Relevanz eines ganzen Journals feststellen und gegebenenfalls sogar mit anderen vergleichen?                                                                                                          Für Wissenschaftler sind Reputationen und Beachtung für ihre Karriere von großer Bedeutung. Angenommen wird, dass Literatur die viel Aufmerksamkeit findet, häufig zitiert wird. Aus dieser Annahme heraus wurden Zitationsmessungsverfahren entwickelt, die darüber Auskunft geben sollen, wie einflussreich und relevant eine bestimmte Fachzeitschrift ist. Einer dieser zitationsbasierten Bewertungsverfahren ist der Journal Impact Factor (JIF).

Journal Impact Factor (JIF)                                                                             Dieser Faktor errechnet, wie oft andere Zeitschriften innerhalb eines Jahres Artikel aus der Fachzeitschrift zitieren. Dies wird inRelation zur Gesamtzahl aller dort in den letzten zwei Jahren veröffentlichten Artikeln gesetzt.JIF                                Je höher der JIF, desto angesehener ist eine Fachzeitschrift. Dies hat auch Auswirkungen auf die Angesehenheit einzelner Autoren und somit deren akademische Beurteilung. Dennoch ist fraglich, ob die Anzahl der Zitationen eine Aussagekraft für die Qualität einer Zeitschrift hat. Des Weiteren lassen sich Journals großer Fachdisziplinen nicht mit Journals kleiner Disziplinen anhand des JIF vergleichen. Außerdem gibt es in der Wissenschaft auch Fachbereiche, in welchen die Resonanz auf Artikel nicht innerhalb von zwei Jahren erfolgt, sondern später.

Nachdem nun über die Qualitätsbestimmung berichtet wurde, soll im folgenden über die Digitalisierung von Zeitschriften und die damit zusammenhängenden Diskussionen über Open Access informiert werden.

Digitalisierung                                                                                                          Im letzten Jahrzehnt hat die Digitalisierung in immer mehr Bereiche Einzug gehalten. Heutzutage kaufen viele auf Onlineplattformen und nicht mehr im Laden, schreiben Emails statt Briefen. Auch die wissenschaftlichen Zeitschriften sind von diesem Wandel betroffen.                                                                     Zum einen sind digitale Zeitschriften entstanden, welche nur online publizieren und zum anderen gibt es viele Zeitschriften die neben der gedruckten Version auch eine online Version zur Verfügung stellen. Durch die Digitalisierung der Zeitschriften ist es prinzipiell möglich, diese kostenlos zu vervielfältigen und damit auch kostenlos, beispielsweise als PDF, zur Verfügung zu stellen. Statt einer kostenlosen Bereitstellung von Online Ausgaben, ist aber im Rahmen der Digitalisierung, der Preis erheblich gestiegen. Früher konnte jeder Bibliotheksbesucher sich die Zeitschrift vor Ort ansehen, heute ist dies oftmals online nur noch für Universitätsangehörige möglich. Des weiteren ist es häufig so, dass die Zugriffe auf ältere, bereits bezahlte Ausgaben einer Zeitschrift nicht mehr möglich sind, sobald eine Zeitschriftenabonnement gekündigt wird. Durchgesetzt hat sich vor allem das Modell „Pay-per-View“ bei welcher ein Interessierter einen einzelnen Artikel einer Zeitschrift als PDF Datei erwerben kann. Der Preis kann dabei auf über 20€ pro Artikel steigen.

Open Access                                                                                                       Doch in letzter Zeit werden die Stimmen immer lauter, welche „Open Access“ für wissenschaftliche Zeitschriften fordern. Dieses Modell sieht vor, dass der Aufruf und der Zugriff auf Artikel einer Zeitschriften kostenlos erfolgt und für jeden zugänglich ist. Wissen soll zu öffentlichem Gut werden. Begründet wird diese Forderung vor allem damit, dass die Gelder für Forschung und Wissenschaft zu großen Teilen aus Steuergeldern stammen, diese also öffentlich finanziert sind und ergo auch öffentlich zugänglich sein sollten. Wichtige Meilensteine der Open Access Bewegung sind die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (Oktober 2003) und die Britische House of Commons (Juli 2004). Die Unterzeichner dieser Erklärungen fordern und fördern Open Access. Sie fordern dazu auf Open Access Online Zeitschriften zu gründen und unterstützen gleichzeitig die Veröffentlichung mit finanziellen Mitteln. Nach diesem Modell bezahlen entweder die Institutionen oder die Autorenschaft die Organisation des Peer Review und die Veröffentlichung im Internet, sodass für den Leser keine Kosten anfallen und jeder Zugriff auf das Wissen erhält.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Open Access Zeitschriften, von welchen einige auch einen hohen Impact Factor haben. Das Open Access Projekt Public Library of Science hat mehrere frei zugängliche Fachzeitschriften ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projektes werden mittlerweile sieben Fachzeitschriften mit unterschiedlichen Fachbereichen veröffentlicht.

Für Studierende der Psychologie gibt es ebenfalls die Möglichkeit ihre Forschungsarbeiten auf der Open Access Plattform „efpsa Journal of European Psychology Students“ zu veröffentlichen. Eine Publikation kostet derzeit 250€, diese Kosten werden aber in der Regel von der Universität oder der jeweiligen Forschungseinrichtung übernommen, sodass für den Studenten keine Kosten entstehen.

Neben wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die einer Qualitätskontrolle unterliegen, gibt es auch die Möglichkeit unwissenschaftliche Inhalte zu publizieren.

Nichtwissenschaftliches Publizieren  

Unwissenschaftliches Veröffentlichen erfolgt im Internet in der Regel über Microblogs, Blogs oder E-Books. Es gibt zahlreiche, kostenlose Plattformen auf welchen sich, ohne Hürde Inhalte veröffentlichen lassen. Ein Beispiel dafür ist ebendieser Webblog, auf welchem, wie zu erkennen, Text und Bilder frei verwaltet werden können. WordPress erstellt automatisch passende Navigationselemente und Beiträge lassen sich frei erstellbaren Kategorien zuweisen. Dies vereinfacht die Bedienung und Veröffentlichung enorm, sodass ohne großes Vorwissen oder Programmierfähigkeiten eine Webseite erstellt werden kann.

Neben dem Veröffentlichen in Blogs, auf welchen eher einzelne und auch kürzere Beiträge verfasst werden, besteht mittlerweile auch die Möglichkeit ganze Bücher kostenfrei und ohne Aufwand zu publizieren. Ohne Aufwand bedeutet in diesem Fall, dass nicht wie üblich, das Buch einem Verlag präsentiert wird, welcher auswählt ob etwas zur Veröffentlichung geeignet ist und anschließend von Lektoren redigiert und bearbeitet wird, sondern direkt und ohne vorherige Prüfung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Dies ist beispielsweise mit Amazon Kindle direct publishing möglich. Dieser von Amazon angebotene Internetdienst erlaubt es einen geschriebenen Text hochzuladen, einem Genre zuzuweisen, den Preis festzulegen und anschließend im Kindle E-Book Store zu veröffentlichen. Nach weniger als einem Tag steht das Buch dann der Öffentlichkeit zur Verfügung. Der Autor erhält dabei 70% der Einnahmen des Verkaufs. Abschließend lässt sich sagen, dass heutzutage jeder auf einfachstem Weg Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Durch die Veränderung der Veröffentlichungswege werden Verleger übergangen und der Autor wendet sich direkt an seine Leser, indem er im Internet mithilfe von speziellen Internetdiensten veröffentlicht. Dies scheint zunächst positiv, da der Prozess weniger aufwendig ist und der Autor, sollte er sein Werk verkaufen, einen deutlich größeren Anteil des Gewinnes erhält. Jedoch erhalten große Anbieter, wie beispielsweise Amazon durch diese Veränderung eine Monopolstellung. Zudem führt es unweigerlich zu einer Entprofessionalisierung der Branche, da kein Verlag die Kontrolle darüber hat, welche Inhalte die Qualität aufweisen, um einer Veröffentlichung würdig zu sein.

Fazit                                                                                                             Veröffentlichen ist im Zeitalter des Internets einfacher geworden denn je.  Heutzutage lässt sich Wissen einfacher einem breiten Publikum präsentieren als noch vor wenigen Jahren. Im Feld der Wissenschaft ist das Peer Review und andere Prozesse unabdingbar um die Qualität der Artikel zu sichern. Um diese wissenschaftlichen Arbeiten öffentlich zugänglich zu machen, wird vermehrt auf Open Access gesetzt und die Kosten werden von der Autorenschaft oder den wissenschaftlichen Institutionen und nicht mehr vom Leser getragen. Im nicht wissenschaftlichen Bereich braucht es diese Qualitätssicherung nicht zwangsläufig, was dazu führt, dass ohne großen Aufwand Wissen binnen weniger Minuten geteilt werden kann.

Quellen und aufgerufene Seiten:

Priem, Jason; Taraborelli, Dario ; Groth, Paul ; Neylon, Cameron (2011): Altmetrics: A manifesto. Version 1.01, 06.12.2013. URL: http://altmetrics.org/manifesto                            P Dong, M Loh, A Mondry(2005) – The „impact factor“ revisited.Biomedical digital libraries, URL: http://biomedcentral.com
Amazon Kindle  Direct Publishing  https://kdp.amazon.com/self-publishing/signin
Journal of European Psychology Students http://jeps.efpsa.org/
PLoS One (Public Library of Science) http://www.plosone.org/

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