Wissensmanagement

„O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von meinen Idealen. Mir wäre geholfen.“ Leonce aus Leonce und Lena, Georg Büchner
Ich muss in der Tat feststellen, mir geht es tagtäglich wie Leonce! Warum?
Leonce spricht hier an, dass neben dem Generieren und Strukturieren von Wissen, das Wissen über einen Sachverhalt, über die Welt, über sich selbst u.s.w. einer Einbettung in eine Art größeren Zusammenhang bedarf, um sinnvoll zu sein. Wie ist das organisational beeinflussbar?

Versuch, sich dem Begriff Wissensmanagement anzunähern

Unternehmerisches Handeln wird von den gesellschaftlichen Bedingungen beeinflusst.
Wandelt sich eine Gesellschaft von hohen Anteilen der industriellen Wertschöpfung zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, muss das Auswirkungen auf das Management eines Unternehmens haben. Der Erfolg eines Unternehmens heutzutage hängt davon ab, wie es ihm gelingt die Ressource Wissen zu mobilisieren und nutzbar zu machen; kurz: Wissen zu managen.

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1. Was ist Wissen?
Wissen ist die Verarbeitung und Integration von Information.
Der Grundbaustein des Wissbaren sind Daten. Daten sind symbolische Reproduktionen von z.B. Zahlen, Quantitäten, Variablen oder Faktoren. Sind sie relevant für jemanden: z.B. deutet die symbolische Reproduktion 31%, dass der Marktanteil des schärfsten Konkurrenten 31 % beträgt so wandelt sich das Symbol in Information. Wird Information verarbeitet und Integriert in persönliche Erfahrung so entsteht daraus Wissen.

2. Was ist Management?
Management ist die bewusste und gezielte Gestaltung sozio-technischer Systeme.

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Wissensmanagement muss sich mit den relevanten Aspekten der Unternehmenskultur beschäftigen, Ziele für das Wissensmanagement definieren, Wissensmanagementstrategien entwerfen Wissensgerechte Strukturen und Prozesse aufbauen und das Personal entsprechend einsetzen.

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3. Was ist Wissensmanagement?
Wissensmanagement bedeutet, dass Menschen und Sachmittel zusammenwirken, um erfolgskritisches Wissen im Unternehmen so einzusetzen, dass die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert wird. (Linde, 2004) Hierbei ist es ist entscheidend, dass nur relevantes Wissen gemanagt wird.

1. Modell: Die Bausteine des Wissensmanagements (Probst G.J.B./Romhardt, K. 1999)
Dieses Modell zeigt wie Wissensmanagement in der Praxis angewendet werden kann.
Im ersten Schritt werden die Wissensziele in enger Anbindung an die bestehenden Unternehmensziele bzw. Strategischen Planungen des Unternehmens ermittelt. Ausgehend von den strategischen Wissenszielen beinhaltet das operative Wissensmanagment folgende Bausteine:

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Ziele:
Die Wissensziele werden in die strategische und die operative Wissensziele. Strategische Wissensziele erörtern über welches Wissen das Unternehmen zu Zeitpunkt t verfügen muss, um am Markt erfolgreich zu sein. Operative Wissensziele klären, welches Wissen für den konkreten Geschäftsprozess notwendig ist, um jeden einzelnen Prozessschritt optimal auszuführen

2. Modell: Die Wissensspirale (Nokana und Takeuchi, 1997)

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Das Modell beschreibt den Prozess der Generierung von Wissen. Zunächst unterscheiden Nokana und Takeuchi zwei verschiedene Arten von Wissen: 1. Das Implizites Wissen ist das Wissen über das ein Individuum verfügt, ohne dass es präzise ausgedrückt werden könnte. Und 2. Das Explizites Wissen ist das Wissen, dass der Träger öffentlich macht, sei es durch Sprache oder Schrift. Zusätzlich werden vier Prozesse der Umwandlung des Wissens unterschieden: Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung. Dem Modell nach interagieren diese vier Prozesse dynamisch. Durch eine gute Integration der Übergänge, kann neues Wissen auf höheren onotlogischen Ebenen entstehen.

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Die Spirale des Wissens basiert auf fünf Voraussetzungen:
1. Intention: die Absicht, Wissensziele zu erreichen muss vorliegen
2. Autonomie: die Mitarbeiter brauchen die Möglichkeit zum selbständigen Handeln z.B. durch hohen Handlungsspielraum, sich organisierende Teams u.s.w.
3. Instabilität: kritische Sichtweisen hinterfragen konstruktiv Prozesse, Vorgehensweisen, Grundannahmen
4. Redundanz: der Zugang zu den notwendigen Informationen muss gegeben sein
5. Vielfalt: Diversität der Individuen und Prozesse muss gegeben sein

Das Wissen muss zuerst individuell verankert sein, bevor es handlungswirksam werden kann.
80 % des Wissens in einem Unternehmen sind laut Nokana und Takeuchi implizit. Das Wissensunternehmen greift in zwei Strategien. Zum einen in der Unterstützung der Sozialisation und zum anderen in der Generierung eines hohen Anteils von explizitem Wissen.

Zusammenfassung Wissensmanagement
Aufgabe des Wissensmanagements ist es also Wissen zu identifizieren, zu strukturieren, zu speichern, den Transfer zu gestalten, es verfügbar zu machen und zu erhalten.

Warum ist Wissensmanagement sinnvoll?
Wissen ist mehr als 75% für die Wertschöpfung bei der Transformation von Rohmaterialien zu marktfähigen Produkten verantwortlich. 80% der Unternehmen halten Wissensmanagement für wichtig. Aber nur 21% der Unternehmen haben ein explizites Wissensmanagement.
Durch gutes Wissensmanagement lassen sich Produktivitätssteigerungen von 30 % erzielen. (Linde, 2004)

Kontroverse: Ist Wissensmanagement notwendig?
Wissensmanagement beschäftigt sich damit, das Wissen von der Person die es trägt zu trennen. Das für das Unternehmen z. B. den Vorteil, dass wenn eine Peron das Unternehmen verlässt keine Wissenslücke entsteht. Die Person die ihr folgt, kann den Job mit „allem was dazugehört“ übernehmen.

Aber: Wem gehört das Wissen? Dem Unternehmen oder der Person?

Macht dieser Prozess es möglich, dass jeder besonders einfach ersetzbar wird?

Sinkt der selbst erarbeitete Marktwert einer Person?

Der Marktwert eines Menschen in einer Wissensgesellschaft ist die Summe dessen, was er an Wissen einsetzen kann. Es handelt sich also um ein komplexes Interessengefüge. Der Mitarbeiter hat ein Interesse, sein erarbeitetes Wissen bei und/oder für sich zu behalten. Das Unternehmen wiederum hat das Interesse, das Wissen an sich zu binden. Und diese Bindung sollte möglichst unabhängig von der Person sein.

Dennoch muss der Mitarbeiter sein Wissen zur Verfügung stellen, damit die permanente prozesshafte Zusammenführung, Weiterentwicklung und Generierung des Wissens gemäß der Wissensspierale in Gang kommen kann. Und das Unternehmen wiederum kann sich nicht einseitig, das Wissen einer Person „einverleiben“. Es handelt sich vielmehr

um einen Prozess des Gebens uns Nehmens an dem beide Parteien partizipieren, wachsen und der immer wieder neu verhandelt und definiert werden muss.

Um Wissensmanagement zu strukturieren ist es also hilfreich, das komplexe Intessengefüge der involvierten Parteien zu berücksichtigt und zu respektiert, um einen kreativen Prozess des Gebens und Nehmens in Gang zu setzen, der zu Wachstum bei allen Parteien führt.

Und dennoch: „O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von meinen Idealen. Mir wäre geholfen.“ Leonce aus Leonce und Lena, Georg Büchner

Literatur
Linde, F., Wissensmanagement: Ziele, Strategien, Instrumente, Modernisierung des Managements, Festschrift, Wiesbaden 2004, S. 301-342

McLean L. D., A Review and Critique of Nonaka and Takeuchi`s Theory of Organizational Knowledge Creation

Nonaka, I. & Takeuchi, H. (1997). Die Organisation des Wissens. Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressourcen nutzbar machen

Probst, G., Raub, S. & Romhardt, K. (2006). Wissen managen. Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. Wiesbaden: Gabler

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