Wissen als Ressource

Der folgende Beitrag soll sich mit dem Thema Wissen als Ressource beschäftigen. Seit dem Einsetzten der Industrialisierung in den westlichen Ländern lassen sich mit großem zeitlichen Abständen Basisinnovationen identifizieren, welche die Gesamtwirtschaft grundlegend veränderten. Basisinnovationen waren z.B. die Entdeckung der Dampfkraft oder auch die Erfindung von Eisenbahn, Automobile und Mikroelektronik. Die wirtschaftliche Aktivität nimmt nach dem Entstehen einer Basisinnovation ca. 20-30 Jahre zu und gerät danach eben so lange ins Stagnieren bis eine neue Basisinnovation entwickelt wird. Nach dem Agrarökonom Kondratieff werden diese wellenförmige Bewegungen auch Kondratieff Wellen genannt und gehören der Theorie der langen Wellen an.

Modell der Langen Wellen BAsisinno

Der strukturelle Wandel kann diese Entwicklung erklären. Generell lässt sich Wirtschaft in drei Sektoren unterteilen, primären Sektor (Landwirtschaft), sekundären Sektor (verarbeitende Wirtschaft) und tertiären Sektor (Dienstleistungswirtschaft). Der Anteil der jeweiligen Sektoren  an der Gesamtwirtschaft hat sich über die Zeit grundlegend verändert. Waren im Deutschen Reich 1882 noch 42,2% der Bevölkerung im primären Sektor tätig und 1970 in West-Deutschland 48,8% im sekundären Sektor, arbeiten heute ca. 70% der Beschäftigten im tertiären Sektor.

struk

Der strukturelle Wandel beschreibt somit die starke Bedeutungszunahme des tertiären Sektors; man spricht auch vom Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft. Wichtig ist hierbei der Gedanke, dass mit Dienstleistung nicht nur Mitarbeiter an der Service Hotline gemeint sind, sondern auch Tätigkeiten im Bereich des Finanzwesens,der Bildung, des Verkehrs, Handels und Gesundheitswesens.

kreislauf

Unternehmen verdienen zunehmend ihr Geld damit, Informationen, Wissen oder intelligente Produkte zu verkaufen. Wissen löst somit Arbeit und Kapital als knappe Ressource ab.

Aber nicht nur durch den wachsenden tertiären Sektor nimmt der Anteil der Kopfarbeit zu, sondern auch in den beiden verbleibenden Sektoren wächst dieser Anteil. Wissen wird zum zentralem Element des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

Wissen als Ressource gewinnt zudem durch die globalisierte Welt und den daraus entstehenden gestiegenen Wettbewerbsdruck an Bedeutung. Ohne ständige Weiterentwicklung und Innovationspotential und -bereitschaft kann ein Unternehmen auf dem globalen Markt nicht von Dauer existieren.

Neue Informations- und Kommunikationstechnologien beschleunigen Transaktionen und reduzieren deren Kosten. Räumliche Nähe verliert an Bedeutung und Wissen kann theoretisch auf der ganzen Welt reproduziert werden und kostengünstig an eine Unternehmenszentrale in XY übermittelt werden.

Wissen ist jedoch kein Rohstoff wie Holz, der einfach „geerntet“ werden kann. Von Bedeutung ist nicht nur das Wissen, was man klar verbalisieren kann und irgendwann einmal bewusst gelernt hat. Vor allem das Wissen, was sich aus dem Interagieren mit Anderen entwickelt ist für die Unternehmensweiterentwicklung wichtig.

Transaktive Wissenssysteme beruhen auf der Überlegung zur transaktiven Gedächtnisleistung. Dies entsteht durch die Kombination von individuellem Gedächtnis und den Kommunikationsprozessen zwischen Individuen. Transaktive Wissenssyteme bestehen aus Individuen, die durch eine Partnerschaft, Gruppe oder Organisation verbunden sind und zum einen ihr eigenes Wissen preisgeben, sich offenbaren und zum anderen Zugriff auf das Wissen der anderen haben. Somit ergibt sich ein großer Wissenspool, auf die jedes Gruppenmitglied zugreifen kann. Jeder ist Spezialist für eine bestimmte Expertise und weiß bei bestimmten Problembereichen, wen er aus der Gruppe ansprechen kann. Je weiter die Differenzierung zwischen den Expertisebereichen fortschreitet, desto spezialisierter wird das individuelle Wissen.

Der Satz „Wissen ist Macht und mein Wissen teile ich nicht.“ ist in einigen Köpfen vorhanden. Personengebundenes Wissen will nicht von allen geteilt werden.

Um ein Bewusstsein zu entwickeln, dass Teilen von Wissen mehr Wissen generieren kann, setzten Unternehmen verstärkt auf die Gründung von Communities of Practies (CoP). Mitglieder dieser Community sind durch ein gemeinsames Interesse verbunden. Der informelle Wissensaustausch steht im Vordergrund. CoP bestehen aus Mitarbeitern verschiedener Branchen und Hierachieebenen, die sich mit einer bestimmten Problemstellung beschäftigen. Sie agieren weitgehend selbstorganisiert, tauschen sich aus und unterstützen sich.

Es gibt nicht nur einen Weg zur Problemlösung, denn der Austausch von Erfahrungswissen in der Gemeinschaft bringt die Kompetenzen und Fertigkeiten der Mitglieder zutage.

Vorteile

Wissen kann schneller den aktuellen Arbeitsprozessen angepasst werden. Neue Mitarbeiter können einfacher angelernt werden und Erfahrungen weitergegeben werden. Kompetenzen werden weiterentwickelt und neue Ideen und Entwicklungen entstehen.

CoP schaffen Identität und Zugehörigkeitsgefühl.

Nachteile

Der informelle Charakter lässt die konkrete Zielsetzung nicht immer eindeutig hervorstehen. Aus Unternehmenssicht lassen sich keine konkreten Ergebnisse erkennen. Möglicherweise fühlen sich die Mitglieder der CoP unter Druck gesetzt. Generell kann es auch zu Verständnisproblemen innerhalb und zwischen den CoP und dem restlichen Unternehmen führen.

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